Vergesst Goethe!
Der liebe Gott ist auch dabei. Wenn Hörner, Trompeten und Posaunen fortissimo den Vorhang zum grotesken Mysterienspiel wegblasen, hat er schon im Himmel Platz genommen. Ein schrulliger Alter mit wilder Mähne und weißem Rauschebart. Für die putzigen Putten, die um ihn herum am Firmament kleben, scheint er sich nicht zu interessieren.
Eher schon für Frau Faust auf dem Bühnenparterre, von deren «belleza» er über zwei Bass-Oktaven und achtzehn Takte hinweg schwärmt, bevor Señor Mefistófeles, soeben im feuerroten Dreiteiler aus dem Unterboden aufgefahren, ein erstes Bariton-Sätzchen singen darf. Während die beiden Herren in Zwölfachteln über das Gute und das Böse disputieren, zeigt die Haus(hub)-technik des Teatro Real, was sie kann: nämlich geräuschlos eine Art Turm zu Babylon auf die Bühne zaubern. Als Doktor Faust, der hier auf den Namen Faust-bal hört und auch nicht Doktor, sondern eine von der Männerwelt schwer enttäuschte Sopran-Heroine ist, sich zu einem zweigestrichenen «gis» aufschwingt und molto espressivo kundtut, dass ihm, pardon: ihr, nur das Beste gut genug ist, füllt der Bau den ganzen Guckkasten – mit Zinnen, Balustraden, Balkons und zwei showtauglichen Treppen links ...
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