Routiniert und inspiriert
Dass Donizettis «Liebestrank» auf der Szene schwieriger zu mischen ist als der Trank Isoldes, auf den sich der Titel bezieht, merken viele Regisseure erst, wenn sie ihre Arbeit beendet haben. Die Komödie mit der «heimlichen Träne» hat nämlich mehr Tiefgang, als ihr Plot auf den ersten Blick vermuten lässt.
Laurent Pelly, der sich mit seinen Offenbach-Inszenierungen und seiner Londoner «Regimentstochter» als ein Meister des heiteren Musiktheaters ausgewiesen hat, wurde bei seiner Pariser Produktion dieser Oper von Witz und Ironie anscheinend im Stich gelassen.
In einer Szenerie, die von einer überdimensionalen Heuburg dominiert wird, fährt Dulcamara mit einem großen Transportwagen auf die Szene, Adina benutzt das Fahrrad, ein Traktor schafft des Weiteren ländliches Kolorit. Die Kostüme erinnern an den Neorealismus der fünfziger Jahre. All das ist mit dieser Oper zu machen, aber Pelly zieht keinen Nutzen aus diesen konkreten Bezügen, sondern hangelt sich mit billiger Spielastik durch das Stück, produziert unentwegt «lustige» Einfälle, die jeder routinierte Provinz-Regisseur aus dem Ärmel schüttelt.
Dabei bleibt die Führung des Chores überwiegend schablonenhaft und die Zeichnung der ...
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Endlich singt Bryn Terfel in London wieder Wagner. Die ersten zyklischen Aufführungen von Keith Warners «Ring» im September 2007 gingen bekanntlich ohne ihn über die Bühne – eine riesige Enttäuschung, zumal die Produktion stark auf seinen Wotan zugeschnitten war. Jetzt meldete er sich mit einer Rolle an Covent Garden zurück, die er unlängst für die Welsh National...
«Was für ein abscheulicher Stoff, nicht ein gutes oder edles Gefühl darin!» So charakterisierte Alexander Puschkin die Geschichte vom ukrainischen Kosaken-Hetman Iwan Mazeppa, die zur Grundlage seines großen Versepos «Poltawa» wurde. In der Tat: Mazeppa, der schon zur Zeit Peters des Großen eine unabhängige Ukraine anstrebte, ist eine zwielichtige Figur. Im Großen...
Er floh vor der pietistischen Enge seiner Heimatstadt in die großen Metropolen, sobald er konnte. Er war attraktiv und eloquent, kreativ, polyglott und scharfzüngig. In seinen Opern war er der größte Frauenversteher des Barock. Trotzdem hatte er zeitlebens keinen belegbaren intimen Kontakt zum anderen Geschlecht. Wenn man die gesicherten Eigenschaften und...
