Routiniert und inspiriert
Dass Donizettis «Liebestrank» auf der Szene schwieriger zu mischen ist als der Trank Isoldes, auf den sich der Titel bezieht, merken viele Regisseure erst, wenn sie ihre Arbeit beendet haben. Die Komödie mit der «heimlichen Träne» hat nämlich mehr Tiefgang, als ihr Plot auf den ersten Blick vermuten lässt.
Laurent Pelly, der sich mit seinen Offenbach-Inszenierungen und seiner Londoner «Regimentstochter» als ein Meister des heiteren Musiktheaters ausgewiesen hat, wurde bei seiner Pariser Produktion dieser Oper von Witz und Ironie anscheinend im Stich gelassen.
In einer Szenerie, die von einer überdimensionalen Heuburg dominiert wird, fährt Dulcamara mit einem großen Transportwagen auf die Szene, Adina benutzt das Fahrrad, ein Traktor schafft des Weiteren ländliches Kolorit. Die Kostüme erinnern an den Neorealismus der fünfziger Jahre. All das ist mit dieser Oper zu machen, aber Pelly zieht keinen Nutzen aus diesen konkreten Bezügen, sondern hangelt sich mit billiger Spielastik durch das Stück, produziert unentwegt «lustige» Einfälle, die jeder routinierte Provinz-Regisseur aus dem Ärmel schüttelt.
Dabei bleibt die Führung des Chores überwiegend schablonenhaft und die Zeichnung der ...
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Kein Zufall, dass die Opernhäuser einen Bogen machen um Manuel de Fallas knapp über einstündigen Zweiakter «La vida breve» von 1905. Immerhin könnte man ihn als eine Art spanische Nationaloper bezeichnen – mangels sonstiger Masse: De Fallas monumental konzipiertes Spätwerk «Atlántida» blieb unvollendet und in (von Ernesto Halffter) unbefriedigend komplettiertem...
In Zusammenhang mit Raritäten stellt sich häufig die Frage, ob ein Werk nicht vielleicht doch zu Recht unter den Teppich des Vergessens gekehrt wurde. Bei Francesco Bartolomeo Contis Tragicommedia in fünf Akten «Don Chisciotte in Sierra Morena» kann man dies klar verneinen. Die Produktion der «Musikwerkstatt Wien» im Semperdepot bringt eine vergnügliche Begegnung...
In der stattlichen Diskografie von Puccinis «Madama Butterfly» nehmen die Produktionen der EMI vordere Plätze ein. Fast unerreicht in ihrem unsentimentalen, fast schroffen Habitus ist Gianandrea Gavazzenis Mono-Einspielung von 1954 mit Victoria de los Angeles und Giuseppe di Stefano. Herbert von Karajans klangsinnlichere Version aus dem folgenden Jahr, mit Maria...
