Routiniert und inspiriert
Dass Donizettis «Liebestrank» auf der Szene schwieriger zu mischen ist als der Trank Isoldes, auf den sich der Titel bezieht, merken viele Regisseure erst, wenn sie ihre Arbeit beendet haben. Die Komödie mit der «heimlichen Träne» hat nämlich mehr Tiefgang, als ihr Plot auf den ersten Blick vermuten lässt.
Laurent Pelly, der sich mit seinen Offenbach-Inszenierungen und seiner Londoner «Regimentstochter» als ein Meister des heiteren Musiktheaters ausgewiesen hat, wurde bei seiner Pariser Produktion dieser Oper von Witz und Ironie anscheinend im Stich gelassen.
In einer Szenerie, die von einer überdimensionalen Heuburg dominiert wird, fährt Dulcamara mit einem großen Transportwagen auf die Szene, Adina benutzt das Fahrrad, ein Traktor schafft des Weiteren ländliches Kolorit. Die Kostüme erinnern an den Neorealismus der fünfziger Jahre. All das ist mit dieser Oper zu machen, aber Pelly zieht keinen Nutzen aus diesen konkreten Bezügen, sondern hangelt sich mit billiger Spielastik durch das Stück, produziert unentwegt «lustige» Einfälle, die jeder routinierte Provinz-Regisseur aus dem Ärmel schüttelt.
Dabei bleibt die Führung des Chores überwiegend schablonenhaft und die Zeichnung der ...
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