Zweiter Anlauf

Dresden: Sächsische Staatsoper: Henze: Gisela

Opernwelt - Logo

Das Glück ist immer woanders. Und welcher Ort würde die Ruhelosigkeit, die ständige Suche, das Unbehauste, Vorläufige besser symbolisieren als ein Flughafen? Konsequent also, dass Regisseurin Elisabeth Stöppler und Rebecca Ringst (deren Stuttgarter «Rosenkavalier»-Raum gerade zum «Bühnenbild des Jahres» gewählt wurde) in Dresden die neueste Oper von Hans Werner Henze in einer Abflughalle ansiedeln. Pierre Audi und Christof Hetzer hatten sich bei der Uraufführung im September in Gladbeck noch für einen Bahnhof entschieden.

Der ist als Symbol für An- und Abreise zwar veraltet, dürfte allerdings wesentlich näher an der Erfahrungswelt des 84-jährigen Komponisten liegen, der mit «Gisela!» nicht zuletzt seine eigene Lebensreise vertont hat: Wie er in den fünfziger Jahren, von der Rigidität der Darmstädter Avantgarde enttäuscht, das Glück in Italien suchte – wozu man damals noch den Zug nahm – und es auch gefunden hat: Marino ist zu seiner Heimat geworden, sagt Henze.

Doch jetzt ist 2010, und so sehen wir den Flughafen von Neapel, flackernde Monitore, auf denen «Bergamo» steht oder «Genua», Schalensitze aus Plastik, Duty Free Shops. Einen Vorhang gibt es nicht, schon lange vor den ersten ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Januar 2011
Rubrik: Panorama, Seite 39
von Udo Badelt

Weitere Beiträge
Pompöse Bilder

Deutsche Saison in Paris: Mozarts «Zauberflöte» an den Bouffes du Nord (siehe Seite 14), an der Opéra Bastille wächst ein «Ring des Nibelungen» heran, der zweite Anlauf der Opéra National, nachdem ein ehrgeiziges Projekt mit den Regisseuren Peter Stein und Klaus Michael Grüber, damals noch im Palais Garnier, nach der «Walküre» abgebrochen wurde, weil angeblich der...

Gemogelt wird nicht

Der erste Eindruck, der sich im Verlauf der ungeheuerlichen, mit paramusikalischen Klängen unterlegten Sturmszene einstellt: dass der 82-jährige Colin Davis im Dezember 2009 mit dem London Symphony Orchestra wohl – gefühlte Zeit – die «schnellste» Aufführung von Verdis «Otello» geleitet hat. Sie hat einen ähnlichen rhythmischen Drive wie die legendäre Aufführung...

Die Partitur als Regiebuch

Marek Janowski ist in den sechziger Jahren im deutschen Stadttheater-System groß geworden. Über drei Jahrzehnte hat er an allen bedeutenden Bühnen der Welt gearbeitet. In den Neunzigern kehrte er ihnen im Zorn über den «Regiewahnsinn» den Rücken. Ganz konnte er als Theatermann und Wagner-Fan aber nicht von der Oper lassen. Mit konzertanten Aufführungen und...