Immer auf der Suche bleiben
Herr Kränzle, seit Längerem wird eine Krise des Wagner-Gesangs beklagt. Bemängelt wird unter anderem fehlende Textverständlichkeit. Betrachtet man in diesem Zusammenhang die «Rheingold»-Produktion der Berliner Staatsoper am Schiller Theater, in der Sie den Alberich singen, gibt es drei Möglichkeiten. Erstens: Sie sind einfach gut. Zweitens: Daniel Barenboim sorgt dafür, dass die Staatskapelle leise genug spielt. Oder drittens: Die Akustik im Schiller Theater ist so beschaffen, dass man alles versteht.
Wahrscheinlich stimmen alle drei Punkte (lacht).
Wesentlich scheint mir vor allem der zuletzt genannte Aspekt. Während die Akustik in der Mailänder Scala, wo wir «Rheingold» in der gleichen Besetzung realisiert haben, schwierig war, ist im Schiller Theater alles einfacher. Dort gibt es eine Abdeckung, die den Orchesterklang fürs Publikum etwas wegnimmt, für uns hingegen enorm zuträglich ist. Was die Balance angeht, könnten viele Stadttheater das ebenso leicht bewerkstelligen: Es ist nur eine kleine Holzbrüstung, die in den Orchestergraben hineinragt. Der direkte Klang der Blechbläser wird damit abgeblockt, und es entsteht sogar eine Art Bayreuth-Gefühl. Überdies ist aber auch Daniel ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Januar 2011
Rubrik: Interview, Seite 22
von Jürgen Otten
Überraschen müsste nicht die späte Einsicht, die hier mitgeteilt und begründet wird. Überraschen müsste, dass es dazu so spät erst kommt. Immerhin liegt, worum es hier geht, schon mehr als hundert Jahre zurück, ohne dass es historisch verjährt wäre. Ob die Einsicht – falls sie denn überhaupt einleuchtet – zu heutigen Konsequenzen führen wird, bleibt abzuwarten....
Die französische Übersetzung des deutschen Titels klingt ungemein pompös: «Grandeur et Décadence de la ville de Mahagonny». Grandeur, Décadence, man könnte denken, es handle sich um den Untergang eines Adelsgeschlechts oder das Ende des napoleonischen Staates. Stimmt aber nicht. Am Théâtre du Capitol in Toulouse ist das bekannte Stück von Brecht und Weill zu sehen,...
Als Bariton hat Plácido Domingo seine Karriere 1959 – war er wirklich, ewige Frage, erst 16 Jahre alt? –, begonnen, als Bariton hat er sich im Spätherbst seiner Laufbahn an der Staatsoper in Berlin, an der Scala und an Covent Garden präsentiert: mit zwei Dutzend Aufführungen von Giuseppe Verdis «Simon Boccanegra». Die von Antonio Pappano geleiteten Londoner...
