Zweierbeziehungen
Acht Personen, die niemals zusammen auf der Bühne stehen: für ein chorloses fünfstündiges Werk bedeutet das durchaus die Konstellation einer Kammeroper, wenngleich das Getöse der Schmiedelieder und das Schlussduett diesen Aspekt konterkarieren und mit den Schicksalswettern der dritten Orchestereinleitung gleichsam die «Götterdämmerung» ernstlich-eschatologisch anhebt. Es war, als stellte der Frankfurter GMD und «Siegfried»-Dirigent Sebastian Weigle die zwölfjährige Schaffenspause und die Ambivalenzen dieser «Ring»-Station in den Mittelpunkt seiner Interpretation.
Die Naturklänge, die Märchentöne der ersten beiden Akte blühten farbenfroh oder in lyrischer Versunkenheit auf, und die Bedächtigkeit des Vortrags tendierte manchmal (etwa, wenn die solistische Basstuba beteiligt war) geradezu zum senza tempo. Drastisch-groteske Anschärfungen wurden wirkungsvoll kontrastierend danebengesetzt, ohne dass jemals forcierte Dramatik evoziert worden wäre. Unterm Strich ergaben sich bedeutende Aktlängen sowie viele sonst vom Gesamtsog verschlungene Einzelheiten, die nun deutlich ausgespielt, sogar herauspräpariert erschienen. Und dennoch niemals Motivpaukerei, sondern ein breit ...
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Opernwelt Dezember 2011
Rubrik: Im Focus, Seite 10
von Hans-Klaus Jungheinrich
Frau Doufexis, hat Ihr Mann Christian Jost schon Veränderungen an Ihnen wahrgenommen, seit Sie Carmen proben?
Na, hören Sie mal... (lacht). Ich bin doch glücklich verheiratet! Wenn ich mich mit jeder Rolle verändern würde... Nur mit einer Sache habe ich noch zu kämpfen: mit den Kastagnetten. Das muss noch besser werden.
War die Frage abwegig?
Eigentlich nicht. Man...
Wie im richtigen Leben, so gibt es auch im Opernleben, gottlob, nicht nur böse Überraschungen. So hätte ich nie erwartet, dass ausgerechnet dem Opernberserker Calixto Bieito, den Uwe Schweikert in seinem Essay für das aktuelle «Opernwelt»-Jahrbuch mit gutem Grund ins Visier genommen hat, die dichteste und spannungsreichste Inszenierung der «Carmen» gelingen würde,...
Mit Gender-Crossing und Wikingermythos eine schwedische Nationaloper im Stil Wagners schaffen. Kein geringeres Ziel hatte sich der Schwede Wilhelm Stenhammar gesetzt, als er 1898 mit «Tirfing» sein zweites Werk für die Bühne komponierte. Doch der 27-Jährige hatte sich verschätzt: Die Oper fiel durch. Gerade 17-mal wurde «Tirfing» bis 1901 gegeben, um danach in der...
