Apropos...Carmen
Frau Doufexis, hat Ihr Mann Christian Jost schon Veränderungen an Ihnen wahrgenommen, seit Sie Carmen proben?
Na, hören Sie mal... (lacht). Ich bin doch glücklich verheiratet! Wenn ich mich mit jeder Rolle verändern würde... Nur mit einer Sache habe ich noch zu kämpfen: mit den Kastagnetten. Das muss noch besser werden.
War die Frage abwegig?
Eigentlich nicht. Man könnte sagen: Je männerverschlingender auf der Bühne, desto glücklicher verheiratet. Deswegen sind wir Sänger so ausgeglichen. Wir können uns auf der Bühne herrlich abreagieren.
Nur: Carmen auf die Verführerin zu reduzieren, finde ich ohnehin zu wenig. Bei Carmen geht es viel mehr um ihre totale Freiheitsliebe. Sie macht, was sie möchte, lässt sich nicht einengen oder zwingen. Das führt zu einer bestimmten Ausstrahlung und auch erotischen Faszination. Carmen macht nichts künstlich. Diese Frau ist so.
Ist Carmen immer noch Traumziel für jeden Mezzosopran?
Ja, eine Rolle, auf die man sich ein Leben lang freuen sollte. Für mich übrigens ein Ausflug ins weibliche Fach! Ich habe so viele Hosenrollen gesungen in letzter Zeit: Hamlet, Octavian, Cherubino, Ramiro. Ich dachte immer, Carmen sei zu heavy, auch zu dunkel timbriert für ...
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Opernwelt Dezember 2011
Rubrik: Magazin, Seite 79
von Kai Luehrs-Kaiser
In gefühlten Es-Dur-Brechungen wallt es «Rheingold»-artig aus dem Orchestergraben herauf. Ein nächtlicher Highway schlängelt sich einer fernen Gebirgssilhouette entgegen. Vorn bricht ein Schwert durch den Asphalt: Excalibur. Ein Cadillac aus den Seventies parkt am Straßenrand. Das Warnlicht blinkt. Ein mittelalter, gedrungener Mann hat den Kopf auf das Lenkrad...
Ich ist ein anderer. Das gilt nicht erst seit der Romantik. Die Beobachtung hat schon immer zur Kunst geführt. Als Aufschrei, als Staunen, als Sehnsucht. Auch in der Musik natürlich. Und auf der Bühne. Wobei das Sängerleben einer doppelten Perspektive folgt: Wer seine Stimme gefunden hat, hat seine Identität gefunden.
Eines bedingt das andere. Und beides braucht...
Die erste Episode der großen Gala zur Wiedereröffnung des sanierten Bolschoi Theaters ließ Regisseur Dmitri Tcherniakov im Hier und Heute spielen. Kein Ton aus dem Orchester, kein Mucks aus den Kehlen der Sängerprominenz, stattdessen der Lärm von Baumaschinen und das Getrappel von rund hundert «Bauarbeitern». Erst als die plötzlich den Slawsja-Chor aus Glinkas «Ein...
