Moderne, Museum, Mummenschanz
Wie im richtigen Leben, so gibt es auch im Opernleben, gottlob, nicht nur böse Überraschungen. So hätte ich nie erwartet, dass ausgerechnet dem Opernberserker Calixto Bieito, den Uwe Schweikert in seinem Essay für das aktuelle «Opernwelt»-Jahrbuch mit gutem Grund ins Visier genommen hat, die dichteste und spannungsreichste Inszenierung der «Carmen» gelingen würde, an die ich mich erinnern kann. Gerade in diesem Stück, das nicht zuletzt von sexuellen Obsessionen handelt, lässt er seine eigenen Obsessionen weitgehend außen vor, konzentriert sich ganz auf den Kern des Stücks.
Dabei hält er bewundernswert die Balance zwischen krassem Realismus und ironischen Brechungen. So trifft er genau den Charakter einer Opéra comique. Man spürt die Reife, die lange Entwicklung dieser Inszenierung: Den Grundstein legte Bieito schon 1999 im Rahmen des Peralada Festivals in Barcelona, 2004 präsentierte er eine überarbeitete Version in Antwerpen. Sechs Jahre später nahm er sich das Stück erneut in Barcelona (am Liceu) vor – und hier trägt auch der Dirigent Marc Piollet seinen Teil zu der zündenden Wirkung bei. Selten etwa hört man ein so entspanntes, aus heiterer Distanz vorgetragenes Torero-Lied wie ...
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Opernwelt Dezember 2011
Rubrik: Medien/DVDs, Seite 33
von Ekkehard Pluta
Unter den zahlreichen prominenten Countertenören unserer Zeit spielt Max Emanuel Cencic die Rolle eines Paradiesvogels, der durch sein Interesse an ungewöhnlichen Repertoires ebenso auf sich aufmerksam macht wie durch die Metamorphosen seines äußeren Erscheinungsbilds. Gesanglich gehört er seit vielen Jahren zu den herausragenden Vertretern seines Stimmfachs, und...
Die Deutschen machen sich’s bekanntlich nicht leicht mit ihrer Festoper schlechthin, mit Wagners «Die Meistersinger von Nürnberg». Erst recht in Nürnberg. Drum tat Intendant Peter Theiler gut daran, die Neuinszenierung des heiter-tiefsinnigen, aber durch nationalsozialistische Vereinnahmung kontaminierten Werks David Mouchtar-Samorai anzuvertrauen. Der in Bagdad...
So etwas hat es im Fernsehen noch nicht gegeben. Der deutsch-französische Kultursender Arte spannt sein Programm zum Jahreswechsel rund um den Globus. Ein Kulturfeuerwerk eigener Art sozusagen. Die Übertragung setzt in Ozeanien ein, wandert über Japan, Ost- und Westeuropa nach Nord- und Südamerika. Schlusspunkt der geografischen Reise ist São Paulo. Die inhaltliche...
