Zurückgeträumt

Jonas Kaufmann französisch: Arien und Duette von Gounod, Massenet, Bizet, Halévy, Berlioz und Lalo

Opernwelt - Logo

Sobald sie eine neue CD herausbringen, schwärmen Sänger PR-versiert über die «Erfüllung eines lang gehegten Traums» – wie jetzt Jonas Kaufmann über seine unter dem Titel «L’Opéra» veröffentlichte Anthologie mit zwölf Arien und zwei Duetten aus 13 französischen Opern: «The grand French opera is very close to my ­heart.» Auf der Bühne erfüllte der Tenor sich diese Träume zuletzt Ende 2015 mit Aufführungen von «Faust» und «Carmen». In den Jahren zuvor hat er den Wilhelm in «Mignon», Gounods und Berlioz’ Faust sowie Massenets Werther und Des Grieux gesungen.

Dabei ist er selbst hohen Erwartungen frankophiler Hörer gerecht geworden. Sein Französisch klingt nicht wie eine Variante der lingua franca, sondern ist, sowohl was Artikulation als auch Aussprache und die Verschmelzung von Wort und Ton betrifft, vortrefflich. Kaufmann weiß zwischen den 15 Vokallauten (inklusive der nasalierten) zu unterscheiden; nur selten geschieht es, dass der Liquid «R» als uvularer Laut gebildet wird. Wirklich entscheidend aber ist die spürbare Freude an der Wortformung, die in seinem Singen pulst. Wenn sein Werther vom «souffle du printemps» aus seinen Träumen gerissen wird, ist ein in die Sprache verliebter ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt November 2017
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 30
von Jürgen Kesting

Vergriffen
Weitere Beiträge
Fernziel Bayreuth

Reinhard Goebel, einer der seriösesten und experimentierfreudigsten Alte-Musik-Pioniere aus Deutschland, hat einmal von einem Kammermusikkurs in Salzburg berichtet, bei dem er in die Runde fragte, ob sich jemand dezidiert mit den Hintergründen der gespielten Musik beschäftigt habe. Worauf eine französische Streicherin abwimmelte: Vorworte lese sie prinzipiell...

Fetzenflug

Eigentlich – das weiß jeder Wagnerianer – geht es im «Ring» mit der «Walküre» erst so richtig zur Sache, und so war man in Oldenburg denn auch gespannt, wie Regisseur Paul Esterhazy und sein Ausstatter Mathis Neidhardt die Versprechungen ihres im «Rheingold» als besonders originell erscheinenden Konzepts weiterentwickeln würden. Man erinnert sich: «Der Welt Erbe»,...

Große Pläne

Ein paar Stunden vor Eröffnung des Verdi Festivals in Parma mit «Jérusalem» gab das Management die Einnahmen aus dem Vorverkauf bekannt. Mehr als eine Million Euro waren zusammengekommen – ein beachtliches Ergebnis für einen Veranstalter, der noch Ende 2015 in Bedeutungslosigkeit zu versinken drohte. Das Blatt scheint sich gewendet zu haben. Mit Neuproduktionen von...