Zurück zu den Müttern
Wie wäre es, all diesen Ballast der Rezeptionsgeschichte einfach mal auf einer Müllhalde des Regietheaters zu deponieren? Sich also zumal der braunen Vereinnahmung des Bayreuther Meisters zu entledigen und gewissermaßen eine «Stunde null» der szenischen Interpretation zu postulieren? Es müsste dann wohl ein Weg zurück beschritten werden: zum Mythos, zu den Archetypen, zu Urbildern der Geschlechterkonstellationen.
In den 1950er-Jahren suchte Wieland Wagner für das Werk seines Großvaters solche Pfade zum «Werk an sich», verwies auf das «Meistersinger»-Zitat «Hier gilt’s der Kunst» und bat sein Publikum, «von Gesprächen und Debatten politischer Art auf dem Festspielhügel freundlichst Abstand nehmen zu wollen». Statt einer buchstabengetreuen Umsetzung der schnell alternden Regieanweisungen des Komponisten forderte sein Enkel, «die nachschöpferische geistige Leistung (…), die den Gang zu den Müttern – also zum Ursprung des Werks – wagt.» Da wusste sich Wieland den faustischen Gedankengängen Goethes so sehr nahe wie denen Richard Wagners: Die Mütter, die Gebärenden, die Inhaberinnen unbewusster schöpferischer Kräfte mögen es richten. Für den «Tannhäuser» ließe sich folgern: ...
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Opernwelt November 2025
Rubrik: Im Focus, Seite 14
von Peter Krause
Drei Tage Dienstreise auf Staatsopernkosten nach Italien. Ortstermin in einem Florentiner Laden: weiße Seide mit darauf applizierten Rosen und eingewebten Goldfäden. Was das kostet? 2200 Mark, so erinnert sich Ausstattungslegende Jürgen Rose gern. Er durfte einkaufen gehen, damals, für seinen legendären Münchner «Rosenkavalier». Vorbei die Zeiten? Mitnichten....
Herr Krimmel, einerseits sind Sie ein Naturbursche, der mit einem Camper durch die Gegend tuckert, andererseits ein weithin anerkannter Künstler, der hochgradig verdichtete Lyrikvertonungen interpretiert. Wie geht das zusammen?
Nun ja, wahrscheinlich dürfte ich, wenn ich es ganz ernst nehme, nur noch Schuberts «Schöne Müllerin» singen und vielleicht noch seine...
Seine Masques sind Legende. Mit dieser aparten Form der Semi-Oper reüssierte Henry Purcell während der Restaurationszeit im England des 17. Jahrhunderts auch deswegen, weil die puritanische Revolution dafür gesorgt hatte, dass im Sprechtheater eine streng-restriktive Verbotskultur herrschte. Mit allegorischen Figuren und einer zauberhaften, die Sinne betörenden...
