Eine Sphinx auf dem Sprung
Erfreuliche Botschaft für Autoren von Biographien: Es ist nicht komplett sinnlos, über Komponisten zu schreiben! Zwar mag das 500. Buch über Richard Wagner verzichtbar sein und das zehnte über Clara Schumann erst recht, aber in den Grüften der Musikgeschichte dämmern nach wie vor unzählige Vergessene, Verdrängte und Vernichtete dem Tag ihrer literarischen Auferstehung entgegen. Deren Schöpfungen die Spielpläne ungemein bereichern könnten.
«Begraben in der Hölle»: Dieser Werktitel Rued Langgaards (1893–1952) ist keine poetische Floskel, er entsprang wie alles, was Dänemarks wunderliches Genie zu Papier brachte, existenzieller Not. Allerdings dauerte es, entgegen Langgaards Befürchtung, keine zweitausend Jahre bis zu seiner Rehabilitation, sondern nur fünfundzwanzig. Bendt Viinholt Nielsen begann 1976, das Œuvre des schrillen Außenseiters zu erforschen. Er legte 1991 ein kommentiertes, mit biographischen Daten versehenes Werkverzeichnis vor und schickte dem 550-seitigen Elaborat 1993, 2012 und 2023 drei Biographien hinterher. Die jetzt vorgelegte Übersetzung ist eine erweiterte Fassung der letzten Publikation.
Langgaard war zu Lebzeiten keineswegs unbekannt. Er galt als Wunderkind, ...
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Opernwelt November 2025
Rubrik: Medien, Seite 37
von Volker Tarnow
Das Kunstfest Weimar hat sich unter der Leitung von Rolf C. Hemke seit 2019 zu einem gesellschaftspolitischen Seismographen entwickelt. Während des Festivals für zeitgenössische Kunst schlägt das imaginäre Messinstrument angesichts der empathisch durchreflektierten, prozesshaften Programmpunkte drei Wochen lang weit aus. Hemke wird Weimar allerdings aufgrund...
Lange hatte Johann Strauß (Sohn) schon keinen großen Bühnenerfolg mehr zustande gebracht, da sollte ein großes Handlungsballett die Wende einleiten. Die sensationelle Ankündigung wurde 1898 mit der Ausschreibung eines Autorenwettbewerbs zum Libretto in der Zeitschrift «Die Waage» verbreitet. Ein Novum und ein echter Coup: Schließlich hatte sich der Komponist seit...
Am Ende dann noch die Taube. Sie hört gar nicht mehr auf zu flattern, und für Ironiesignale ist es schon zu spät: Susanne Kennedys «Parsifal»-Inszenierung an der flämischen Oper ist längst in reinen, irgendwie spirituellen Kitsch abgebogen. Der neue Gralskönig bekommt, lächelnd, eine Himmelfahrt, sein Vorgänger darf sich endlich zum Sterben hinlegen. Die...
