Spiritueller Kitsch

Wagner: Parsifal GENT | OPERA BALLET VLAANDEREN

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Am Ende dann noch die Taube. Sie hört gar nicht mehr auf zu flattern, und für Ironiesignale ist es schon zu spät: Susanne Kennedys «Parsifal»-Inszenierung an der flämischen Oper ist längst in reinen, irgendwie spirituellen Kitsch abgebogen. Der neue Gralskönig bekommt, lächelnd, eine Himmelfahrt, sein Vorgänger darf sich endlich zum Sterben hinlegen. Die Bildschirmschoner-Landschaften, die der Digital-Künstler Markus Selg in endlosen Loops rundlaufen lässt, zeigen eine meist brennende Welt, erhabene Gebirgspanoramen oder fahlgraue Ebenen.

Menschen kommen darin, bis auf ein paar tote Krieger, nicht vor, denn für Menschen interessiert man sich hier wenig, sei es für das un -beschriebene Blatt Parsifal (dem der junge Tenor Christopher Sokolowski im kurzen Hemdchen viel charismatische Unschuld und ein paar echte Heldentöne mitgibt), sei es für Kundrys Abgründe oder diesen doch fragwürdigen Gralsritterbund – mithin für die ernsten Nachfragen, die sich seit je an Wagners letzte Worte knüpfen. Zieht man die momentweise und im Fluss mit den Verwandlungsmusiken tatsächlich eindrucksvollen Bildwelten ab, bleibt vor allem Rumsteh- beziehungsweise Rumsitztheater. Es zielt nicht auf ...

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Opernwelt November 2025
Rubrik: Panorama, Seite 46
von Holger Noltze

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