Spiritueller Kitsch
Am Ende dann noch die Taube. Sie hört gar nicht mehr auf zu flattern, und für Ironiesignale ist es schon zu spät: Susanne Kennedys «Parsifal»-Inszenierung an der flämischen Oper ist längst in reinen, irgendwie spirituellen Kitsch abgebogen. Der neue Gralskönig bekommt, lächelnd, eine Himmelfahrt, sein Vorgänger darf sich endlich zum Sterben hinlegen. Die Bildschirmschoner-Landschaften, die der Digital-Künstler Markus Selg in endlosen Loops rundlaufen lässt, zeigen eine meist brennende Welt, erhabene Gebirgspanoramen oder fahlgraue Ebenen.
Menschen kommen darin, bis auf ein paar tote Krieger, nicht vor, denn für Menschen interessiert man sich hier wenig, sei es für das un -beschriebene Blatt Parsifal (dem der junge Tenor Christopher Sokolowski im kurzen Hemdchen viel charismatische Unschuld und ein paar echte Heldentöne mitgibt), sei es für Kundrys Abgründe oder diesen doch fragwürdigen Gralsritterbund – mithin für die ernsten Nachfragen, die sich seit je an Wagners letzte Worte knüpfen. Zieht man die momentweise und im Fluss mit den Verwandlungsmusiken tatsächlich eindrucksvollen Bildwelten ab, bleibt vor allem Rumsteh- beziehungsweise Rumsitztheater. Es zielt nicht auf ...
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Opernwelt November 2025
Rubrik: Panorama, Seite 46
von Holger Noltze
Er war ein Opern- und Orchesterdirigent von signifikanter Herkunft und kompromissloser Geradlinigkeit des Denkens. Christoph von Dohnányi wurde am 8. September 1929 in Berlin in eine Familie hineingeboren, die kulturellen Reichtum und politische Tragik gleichermaßen in sich vereinte. Durch den Großvater, den weltweit anerkannten ungarischen Pianisten und...
Das Drama beginnt vorschriftsgemäß. Maestoso e deciso wünschte sich Bellini den Beginn der Ouvertüre zu seiner «Norma», majestätisch und entschieden. Und genauso gehen die Musikerinnen und Musiker des Transylvania State Philharmonic Orchestra das g-Moll-Allegro an. Am Pult steht mit Pier Giorgio Morandi allerdings auch ein Experte in Sachen Belcanto, der weiß, wie...
Herr Krimmel, einerseits sind Sie ein Naturbursche, der mit einem Camper durch die Gegend tuckert, andererseits ein weithin anerkannter Künstler, der hochgradig verdichtete Lyrikvertonungen interpretiert. Wie geht das zusammen?
Nun ja, wahrscheinlich dürfte ich, wenn ich es ganz ernst nehme, nur noch Schuberts «Schöne Müllerin» singen und vielleicht noch seine...
