Zurück in die Zukunft
Im Jahr 1929 im Haus von Albert Einstein: Der Physiker führt einer erlesenen Gesellschaft, darunter Richard Strauss, Max Liebermann und Gerhart Hauptmann, seine neueste Erfindung vor: eine Zeitreisemaschine.
Doch in welche Epoche soll es gehen? Welche Persönlichkeiten könnte man treffen? Möchte Strauss seiner Salome begegnen? Oder lieber weiter zurückwandern – bis Tutanchamun? Einige verlässt der Mut, doch Einstein, George Bernard Shaw, ein Kritiker und eine Journalistin steigen in den Chronoplan, und der hebt ab … Das Ziel ergibt sich unerwartet: Der Treibstoff geht aus, man landet in der englischen Romantik. Dort platzen die Reisenden in ein Tête-á-tête von Lord Byron (der 1805 noch nicht Lord Byron ist und nicht weiß, dass er jemals ein großer Dichter sein wird) und einer jungen Frau namens Nikoline. Begeistert von seinen neuen Bekanntschaften, überzeugt Einstein den jungen englischen Schöngeist mitzukommen – zurück in die Zukunft 1929.
«Der Chronoplan» war ursprünglich ein Auftragswerk der Hamburgischen Staatsoper und entstand in den Jahren 1930 bis 1932. Die 1933 geplante Uraufführung konnte aufgrund der Machtergreifung der Nationalsozialisten nicht mehr stattfinden. Julia ...
ZUKUNFTSMUSIK
Das «unmögliche Kunstwerk» Oper lebt, allen Unkenrufen zum Trotz. Als Beleg mögen abseits der Pflege des kanonischen Repertoires auch und vor allem jene Stücke dienen, die sich mit der Tradition der Gattung auseinandersetzen, dabei aber neue Wege beschreiten. Um solche Werke des Musiktheaters soll es in dieser Rubrik gehen: um Uraufführungen, in denen neue Narrative kreiert werden und die Form selbst auf dem Prüfstand steht, zugleich aber auch jene Rezeption befragt wird, die sich mit der Wiederholung überlieferter Deutungsmuster begnügt. Zu Wort kommen Komponistinnen und Komponisten, Dramaturginnen und Dramaturgen sowie Dirigentinnen und Dirigenten.
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Opernwelt Januar 2026
Rubrik: Magazin, Seite 87
von Sonja Westerbeck
Friedrich Schillers «romantische Tragödie» war Tschaikowskys Hauptquelle, aber mit signifikanten Änderungen. So nimmt die Liebeshandlung mit dem burgundischen Ritter Lionel (bei Schiller ein Engländer) deutlich mehr Raum ein, und ihr Ende findet Jeanne d’Arc nicht auf dem Schlachtfeld, sondern auf einem Scheiterhaufen. Es lässt sich spekulieren, warum. Am Ende von...
Der Zar taumelt aus einem pechschwarzen, mannshohen Fabergé-Ei. Die reichverzierte Schale ist aufgebrochen, im Innern befindet sich der Zarenthron. Das Zentrum der Macht erscheint so prächtig wie fragil. Allein die Präsenz, mit der Alexander Tsymbalyuk in der Titelpartie der blutigen Höhle entsteigt, wie er überhaupt mit seinem gewaltigen Bass ein grandioses...
Alice fällt. In der langen Eröffnungsszene wird vom Schnürboden eine Artistin als ihr Double herabgelassen, die in Zeitlupe mal kopfüber, mal kopfunter mit Armen und Beinen Halt und sich der Schwerkraft zu widersetzen sucht. Vergeblich. Dazu entwickelt sich im Graben, aus unheimlich tiefen Schlagzeugklängen, bald eines jener quecksilbrigen, glitzernden Klangbilder,...
