Bloß keine Schicksalswolken
Manon Lescaut», uraufgeführt 1893 wenige Tage vor Verdis «Falstaff», zeigt Puccini auf dem Weg zu sich selbst. Ein junger, selbstbewusster und erfolgsgeiler Komponist führt vor, was er kann. Ganz nebenbei vernichtet er – zumindest verbal – die Konkurrenz. Massenets neun Jahre zuvor erstmals gespielte «Manon» sei, so höhnte Puccini, ein Stück aus Puder und Menuett. Er wolle das Thema auf italienische Weise angehen, nämlich «con passione disperata».
Das hat er dann auch getan, freilich noch nicht mit jener Präzision von Stimmungsvaleurs und psychologischer Feinzeichnung, die ihm schon kurz darauf bei «La Bohème» zu Gebote stand. Überhaupt ist der Vergleich verblüffend. Wer den ersten Akt von «Manon Lescaut» hört, kennt automatisch auch den zweiten Akt von «La Bohème» – und umgekehrt. Viel Chor zwischen Deklamation und melodischer Umarmung. Heiteres Volkstreiben als Folie für einen sich anbahnenden privaten Konflikt. Die klingenden Gesten sind exakt dieselben. Die Tempokontraste, die instrumentalen Pointen. Nur dass im früheren Stück alles unschärfer bleibt, den Interpreten überlassen. Man könnte auch sagen: In der «Bohème» schreibt Puccini dasselbe Stück noch einmal, aber genauer. ...
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Opernwelt Juni 2014
Rubrik: Im Focus, Seite 18
von Stephan Mösch
Herr Köhler, Sie werden Ihren Intendantenvertrag an der Oper Halle 2016 auslaufen lassen. Warum wollen Sie Ihr «Heimathaus» nach drei Jahrzehnten verlassen?
Weil ich die Kahlschlagpolitik der Landesregierung nicht mittragen kann. Als sich im Frühjahr 2013 abzeichnete, dass in Dessau, Eisleben und Halle die Theateretats drastisch zusammengestrichen werden sollen,...
Herr Eiche, erst Mannheim, dann Wien, jetzt München: Sind Sie ein Ensemblemensch?
Die Erfahrungen in Mannheim waren sehr wichtig für mich, weil ich dort von Anfang an auch große Rollen singen durfte. Das hat mich sehr geprägt. Außerdem finde ich die Arbeit im Ensemble irgendwie spannender, ich kann die Aufgaben da mit meinen Kollegen über Jahre hinweg...
Das Stück ist viel schwerer, als es auf den ersten Blick scheint. Ein erster Blick auf die vollgestellte Bühne mit den zwei roten Wohnwagen (Noëlle Ginefri) verheißt pure Leichtigkeit des Seins, das bekannte Theater auf dem Theater: Statt eines Vorhangs sieht das hereinspazierende Publikum auf die betriebsame Szenerie einer italienischen Wandertheatertruppe, deren...
