Zunge zeigen
All das Neue, was die Musikstadt Wien seit Beginn dieser Saison durchweht, hat mit dem Anfangen noch gar nicht aufgehört: Die Intendanzwechsel im Theater an der Wien sowie an der Volksoper haben erst eine kleine Handvoll an Produktionen nach sich gezogen, die grosso modo beim Publikum gut bis sehr gut angekommen sind – dazu gleich mehr.
Im Haus am Ring hingegen hat ein älterer Anfang schon wieder aufzuhören begonnen, und das mit allerlei unschönen Nachbeben: Musikdirektor Philippe Jordan, im Herbst 2020 zusammen mit Direktor Bogdan Roščić angetreten, konnte während der pandemiebedingten Einschränkungen offenbar kein inniges Verhältnis zum Staatsopernorchester aufbauen, das bekanntlich personell weitgehend mit den Wiener Philharmonikern übereinstimmt. Jordans ungeschickte Flucht nach vorne (mit dem Scheinthema Regietheater im Banner) wuchs sich zu einem über die Medien ausgetragenen Scharmützel zwischen ihm und Roščić aus. Dieser hatte dem Dirigenten allerdings mit dessen Bestellung am Orchester vorbei den atmosphärischen Fehlstart im Graben eingebracht. Nun liegt in der Führungsetage der Staatsoper das Augarten-Service in Scherben. Seinen erst 2025 auslaufenden Vertrag will Jordan ...
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Opernwelt 12 2022
Rubrik: Im Focus, Seite 19
von Walter Weidringer
Beim König war Jean-Baptiste Lully in Ungnade gefallen. Die Beteiligung an Orgien mit hochrangigen Mitgliedern des Hofs, dazu die Verführung eines Pagen: Das war denn doch zu viel für Ludwig XIV., der unter dem Einfluss der frommen Madame de Maintenon zunehmend auf die Sitten achtete. Doch der intrigenbegabte Komponist gab nicht auf, auch wenn er dafür erstmal...
Die schönsten Illusionen? Bietet das Kino. Im Kino darf man träumen, bedingungslos, ohne Wenn und Aber, nur dort flimmern die verrücktesten Träume über die Leinwand und direkt ins Herz hinein. Auch für die kleine Senta ist es ein Sehnsuchtsort, in den sie, begleitet vom Vater und der strengen Aufpasserin Mary, eintaucht wie in eine längst verblichene Welt; eine...
Wann haben Sie zuletzt in der Oper geweint?
Ich habe ganz schrecklich geweint in der «Jenůfa»-Inszenierung von Calixto Bieito in Stuttgart – nicht ahnend, dass ich kurz darauf in genau dieser Produktion als Jano debütieren sollte. Danach eher selten. Gut, Rodolfos «Aufschrei» ist schon herzzerreißend. Und manchmal bin ich auch nahe der Rührung, weil Musik ab und an...
