Zeitgemäß
Von der Weser bis zur Elbe, von dem Harz bis an das Meer» – so beginnt das «Das Lied der Niedersachsen». Und am Ende des zitierten Ausschnitts steigt man am besten auch schon wieder aus der Lektüre aus, folgen doch fast nur noch Nationalismen, die das Niedermetzeln einstmaliger Gegner feiern. Wesentlich feinsinniger gehen heuer die niedersächsischen Theater zu Werke: programmatisch, dramaturgisch. Das Theater für Niedersachsen in Hildesheim lässt alle drei Sparten – Schauspiel, Oper und Tanz – im Zeichen verschiedener Beiträge zum «Hamlet»-Stoff aufleuchten (OW 11/2022).
Und das Staatstheater Braunschweig zeigt einen speziellen «Ring». Nur «Rheingold» und «Götterdämmerung» kommen als «übliche Verdächtige» in Wagners «Ring» zu ihrem Recht. Der «Rest» wird interessant (wie sich herausstellt: aktionistisch) dazwischen gemeißelt. Denn das Musiktheater, das Orchester, Schauspiel, Tanztheater sowie die Jugendsparte bündeln vereint ihre Kräfte – und so heißt «Die Walküre» plötzlich «Die Walküren»: eine Schauspiel-Uraufführung von Caren Jeß. «Siegfried» wird als Tanzabend – mit neu komponierter Musik von Steffen Schleiermacher – gegeben. Weitere Aktionen, die sogar den Stadtraum ...
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Opernwelt 12 2022
Rubrik: Panorama, Seite 54
von Arno Lücker
Erklären, erhellen, das ist in dieser Causa oft vergebliche Regiemüh’! Weil sich die Märchen-Mythen-Psycho-Melange von Richard Strauss und Hugo von Hofmannsthal gegen Stringenz und Linearität sperrt – was an sich nichts Negatives sein muss. Und leicht ließe sich ja lächeln über die «Frau ohne Schatten», die zwischen explodierter «Zauberflöte» und monumentaler...
In der Partie der Leonore hat Evelyn Herlitzius weltweit reüssiert. Nun hat sie mit Beethovens «Fidelio» am Hessischen Staatstheater Wiesbaden ihr Regiedebüt gegeben. Das Bühnenbild von Frank Philipp Schlößmann lässt die Zuschauer in ein Gefängnis blicken, das dem «Panopticon» nachempfunden ist, einem vom Philosophen Jeremy Bentham im ausgehenden 18. Jahrhundert...
An Ressentiments herrscht in diesem 1814 an der Mailänder Scala aus der Taufe gehobenen Werk wirklich kein Mangel: Rossinis «Il turco in Italia». Der Sultan ist ein zwar charmanter, aber unerbittlicher Despot; die vermeintlich untreue Geliebte hat er bereits zum Tod verurteilt und Frauen, derer er überdrüssig wurde, flugs verkauft. Italienerinnen wiederum haben es...
