Zum Fressen gern
Am Ende fallen die vermeintlich Geschädigten bei Achim Freyer an der Wiener Volksoper über Don Giovanni her, zerreißen ihn, statt ihn zur Hölle fahren zu lassen, und vertilgen ihn genüsslich. «Questo è il fin di qui fà mal», so ende, wer Böses tut, behaupten sie im Besitz selbstgerechter Moral. Der Verführer und Wüstling ist perdu, das Leben kann seinen normalen Gang gehen.
Doch was ist normal? Auf jeden Fall wirkt das D-Dur, sonst Ausdruck für Don Giovannis Élan vital, in der scena ultima dieser Oper irgendwie formelhaft, weniger glanzvoll als davor, etwa zu Beginn der «Tafelszene aller Tafelszenen» (Wolfgang Hildesheimer). Und auch die Sechs wirken irritiert. Sollten sie den Don bereits vermissen und hinter Geschäftigkeit ein Gefühl der Leere verbergen?
Wer Böses tut? Könnte das vermeintlich Üble vielleicht auch daran liegen, dass die von Don Giovanni verführten und verlassenen Damen das genossene Gute nicht erneut, und immer wieder, erfahren dürfen? Hector Berlioz machte sich so seine Gedanken über die Koloraturen der Donna Anna im Allegretto-Teil ihrer zweiten Arie: Sie scheine, meint er, «hier ihre Tränen zu trocknen und sich plötzlich in unschicklichen Posen zu ergehen ...» ...
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Opernwelt Januar 2016
Rubrik: Im Focus, Seite 4
von Gerhard Persché
Was ist nicht schon alles über Mozarts «Zauberflöte» geschrieben worden! Wie viele Geheimnisse wurden in Schikaneders Libretto hineininterpretiert! Und haben nicht sogar einige Autoren dessen sprunghafte Dramaturgie als «Machwerk» abgetan?
Eine Pariser Bearbeitung aus dem Jahr 1801 zeigt, was aus dem merkwürdigen Stück wird, wenn man es zur durchkomponierten Oper...
In seiner Berliner Inszenierung situiert Dmitri Tcherniakov Rimsky-Korsakows meist als historisch-romantisches Rührstück verkitschte «Zarenbraut» in der medialen Gegenwart eines russischen Fernsehstudios, wobei immer wieder punktgenaue Überblendungen, aber auch irritierende Brechungen zwischen der realen Eifersuchtstragödie und der von der Medienmafia inszenierten...
ARD-ALPHA
3.1. – 11.00 Uhr
Die Tonangeber.
Beobachtungen beim 64. Internationalen ARD-Musikwettbewerb.
6.1. – 11.00 Uhr
Mariss Jansons dirigiert
Dvorák: Aus der Neuen Welt. Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks.
6.1. – 20.15 Uhr
Händel: Messiah.
B'Rock – Belgian Baroque Orchestra Ghent, Chor des Bayerischen Rundfunks, Peter Dijkstra. Solisten: Julia Doyle, Lawrence...
