Zukunftsmusik

Bayreuth 1953: «Der Ring des Nibelungen» unter Clemens Krauss – archaisch, eigenwillig, kühn

Opernwelt - Logo

Clemens Krauss ist zweifellos einer der wichtigen Dirigenten des 20. Jahrhunderts, aber auch eine Reizfigur. Letzteres vor allem deswegen, weil er ab 1936 die Münchner Oper leitete und sich noch 1942 zum Chef der Salzburger Festspiele erklären ließ. Sich mit den Nationalsozialisten zu arrangieren und Kollegen zu ersetzen, die um ihre Stellung gebracht wurden und/oder das Land verließen, bereitete ihm offenbar ebenso wenig Schwierigkeiten wie seinem Freund Richard Strauss, zu dessen letzter Oper er das Libretto schrieb: «Capriccio» – auch das nicht jedermanns Geschmack.

Nach dem Krieg hatte Krauss einige Jahre Dirigierverbot, übernahm auch keine Chefposition mehr (wie Böhm, Furtwängler und Tietjen). Ans Aufhören dachte er allerdings nicht. In Wien entstand eine Reihe hoch gelobter Aufnahmen, vor allem mitWerken von Strauss und (Johann) Strauß. Und in Bayreuth sollte (zwei Jahre nach der Wiedereröffnung) die entscheidende Neupositionierung auch musikalisch stattfinden: ausgerechnet mit und durch Krauss. Hans Knappertsbusch hatte sich für den Sommer 1953 zurückgezogen, weil ihm die Inszenierungen Wieland Wagners missfielen. Der Enkel begrüßte Krauss als Dirigenten, der einerseits ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt November 2010
Rubrik: Medien / CD, Seite 34
von Stephan Mösch

Vergriffen
Weitere Beiträge
Blick in die (Medien-)Zukunft

Eine geläufige moderne Deutung von Puccinis «Turandot» geht so: Turandot, die «eisumgürtete Prinzessin» ist eine tief traumatisierte Frau, ihre Erzählung von der einst geschändeten Ahnin verweist auf eigene Missbrauchserfahrungen, aus ihnen speist sich ihr mörderischer Männerhass. Calaf heilt sie, indem er sich ihr bedingungslos ausliefert. Das ist ein...

Von Teheran nach San Francisco

Deutschen Opernfreunden sagt der Name Lotfi Mansouri möglicherweise wenig. Zwar begann er seine Laufbahn als Regisseur im deutschsprachigen Raum und hat in den sechziger und siebziger Jahren auch in Dortmund, Freiburg, Heidelberg, Kassel und Nürnberg inszeniert, doch zu Macht und Ansehen gelangte er erst in Amerika, zunächst als Generaldirektor der Canadian Opera...

Mozarts bester Schüler

Er war Meisterschüler Mozarts, Haydns Nachfolger in Esterhaza, Kapellmeister in Goethes Weimar, und seine Klavierwerke stellen wichtige Weichen für die Romantik. Schon angesichts der bedeutenden kulturgeschichtlichen Verlinkungen Johann Nepomuk Hummels ist es erstaunlich, dass sein Opernschaffen bisher kaum zur Kenntnis genommen wurde. Erst jetzt liegt eine Probe...