Blick in die (Medien-)Zukunft

Dessau: Puccini: Turandot

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Eine geläufige moderne Deutung von Puccinis «Turandot» geht so: Turandot, die «eisumgürtete Prinzessin» ist eine tief traumatisierte Frau, ihre Erzählung von der einst geschändeten Ahnin verweist auf eigene Missbrauchserfahrungen, aus ihnen speist sich ihr mörderischer Männerhass. Calaf heilt sie, indem er sich ihr bedingungslos ausliefert. Das ist ein therapeutischer Prozess, an dessen Ende Turandot Liebesfähigkeit und Lebensfreude wiedergewinnt.

Doch an dieser Geschichte stimmt etwas nicht: Denn was für eine Liebe ist das, wenn Calaf ihrer Verwirklichung bedenkenlos Menschenleben opfert, darunter das der ihm liebend ergebenen Sklavin Liù und des eigenen Vaters?

Schon wenn Calaf der Prinzessin erstmals gegenübertritt, entfaltet sich kein duettierendes Mit-, sondern ein kompetitives Gegeneinander. In Wahrheit – das arbeitet Michael Dißmeier in seinem Dessauer Programmheftessay schlüssig heraus – geht es nicht um Liebe, sondern bis zuletzt um Macht. Die Widersprüche des Stücks lösen sich bei dieser Betrachtung: Calafs Hingabebereitschaft ist nichts als ein psychologischer Trick, das ultimative Mittel zum Zweck – der Eroberung Turandots. Er sagt es selbst: «Und wenn die Welt zugrunde ...

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Opernwelt November 2010
Rubrik: Panorama, Seite 49
von Ingo Dorfmüller

Vergriffen
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