Zukunft Oper
Die Zukunft der Oper stand schon immer auf dem Spiel, daran hat sich in den mehr als 400 Jahren ihres Bestehens grundsätzlich kaum etwas geändert. Was sich indes geändert hat, sind die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, unter denen sie auf die Bühne gelangt, das soziokulturelle Environment.
Und spätestens nach der wenig fruchtbaren Diskussion über die systemische Relevanz des Gesamtkunstwerks während der Corona-Pandemie wissen auch die Kunstschaffenden, dass sie im Fokus der Politik stehen, dass die Bereitschaft, diese genuin luxuriöse Kunstgattung mit den nötigen finanziellen Mitteln auszustatten, eher weniger wird, als dass sie wächst. Immer lauter (und drängender) werden in der erregten, zumindest dem Anschein nach zusehends gestressten Gesellschaft jene Stimmen, die Oper als eine Quantité négliable bezeichnen, als gleichsam neofeudales Amüsement und pure Seelenbeglückung für akademische Eliten. Dagegen steht der ästhetische Wille, ein genuin politisches Musiktheater zu etablieren, das (was im Schauspiel schon seit langem Usus ist) die prekäre Gegenwart zum Anlass nimmt, sie grundsätzlich zu hinterfragen. Grund genug, einmal nachzufragen bei jenen, die Oper tagein, tagaus ...
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Opernwelt Jahrbuch 2024
Rubrik: Zukunft Oper, Seite 114
von
Liebe Frau Schmid, liebe Frau Lwowski, lieber Herr Klink, Sie haben die Wahl: Ist das unmögliche Kunstwerk Oper eher eine Quantité négligeable, ein neofeudaler Luxus, eine politisch relevante Kunstform oder vielleicht sogar nur die reine ästhetische Seelenbeglückung?
Nora Schmid: Eine einfache Antwort auf diese Frage kann es nicht geben. Dennoch würde ich spontan...
65. JAHRGANG, JAHRBUCH 2024
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Es geht um Kolonialismus und um Raubbau, den Europäer in Afrika betrieben oder immer noch betreiben: Für das Musiktheater «Justice» taten sich der spanische Komponist Hèctor Parra und der kongolesische Librettist Fiston Mwanz Mujila zusammen. Hinzu kam für die Uraufführung am Grand Théâtre in Genf der politisch denkende Regisseur Milo Rau und mit dem Dirigenten...
