100. Todestag Franz Kafka
Die Exegese seiner literarischen Texte und Briefe füllt ganze Regale. Kaum ein bedeutender Autor der Moderne wurde so häufig unters Mikroskop gelegt wie Franz Kafka, dessen 100. Todestag wir in diesem Jahr begehen, kaum einer – Samuel Beckett vielleicht ausgenommen – ließ derart viele unterschiedliche, sich zum Teil sogar deutlich widersprechende Deutungen zu. Kafka bleibt nach wie vor das große Rätsel, war es sich selbst ja ein (vergleichsweise kurzes) Leben lang.
Ein Schreibender, der noch im Schreiben mit seinem Sosein rang, der sich im Grunde beständig auf der Flucht vor der Welt und deren für ihn idiosynkratischen und intrikaten Entitäten befand und letztlich nur in seiner Literatur Zuflucht fand. Diese «Welt» der Wörter müssen wir, so sie eine klingende wäre, uns als eine dissonante vorstellen, als ein Sammelsurium aus herben Clustern mit enormer Reibungsfläche (wie sie auch in allen Kafka-Vertonungen aufscheint), als einen Ort, an dem jegliche énergie créatice binnen Sekunden verdampfte und sogar derjenige, der sie herbeisehnte, die Waffen letztlich schon gestreckt hatte, bevor der Kampf überhaupt begann. Beleg mag ein lakonisch-resignativer Tagebucheintrag Kafkas sein: «Im ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Jahrbuch 2024
Rubrik: 100. Todestag Franz Kafka, Seite 144
von
Sein Rang ist umstritten. Während ein nicht unbeträchtlicher Teil der Musikwissenschaft mit den Opern Giacomo Puccinis bis heute fremdelt und ihnen fehlenden Tiefgang und in Teilen uninspirierte Instrumentierung unterstellt, sind Millionen von Zuhörerinnen und Zuhörern berührt von Puccinis Musik, von den Geschichten, die diese Musik erzählt. Auch ihr Schöpfer...
Herr Lang, «Who the fuck is Dora?», lautete der Slogan in ganz Stuttgart. Wie ist es zu «Dora» und der Zusammenarbeit mit Frank Witzel gekommen?
Ich kannte Frank Witzel vorher nicht, er wurde mir von der Staatsoper Stuttgart als Librettist vorgeschlagen. Es gab also zuerst einmal eine Zeit des Kennenlernens und dann des Nachdenkens. Vor allem las ich mich einmal...
Lieber Herr Jerusalem, was ist eigentlich ein Heldentenor? Was braucht er?
Es gibt da keine besonderen Zutaten. Er muss durchhalten können. Er muss einfach wissen, was er tut, und darf nicht forcieren. Und das funktioniert nur, wenn er technisch sauber singt. Aber das trifft eigentlich auf alle Partien zu. Beim Heldentenor kommt eben noch die besondere...
