Zugegriffen
Mehrere politische wie gesellschaftliche Revolutionen hat «Le nozze di Figaro» in ihrer knapp 230-jährigen Geschichte schon erlebt, wie Francis Hüsers, der Johannes Eraths Inszenierung als Dramaturg betreut, im Programmheft mit Recht hervorhebt. Die Adelskritik weist in Richtung französische Revolution, während die offene Thematisierung von nichtehelichen Beziehungen sogar für die Achtundsechziger noch interessant wirken konnte. Dennoch muss man, und das tut das Regieteam, auch hinterfragen dürfen, ob uns nicht andere Folgen dieser Revolutionen auch von dem Stück entfernt haben.
Erath und Hülsen interessieren sich dabei besonders für die Jungfräulichkeit, die für Figaro und den Grafen eine zentrale Kategorie darstellt, während sie heute in Beziehungen zwischen erwachsenen Menschen kaum noch eine Rolle spielt. Doch das dürfte im Theater ein geringeres Problem darstellen, als das Regieteam meint: Zum einen ist Jungfräulichkeit noch immer als Mythos wie auch als Symbol für die Exklusivität einer Beziehung lesbar; zum anderen ist die geradezu katalogartige Darstellung unehelichen Liebens und Verlangens ganz bewusst janusköpfig gehalten.
Erath aber will es genau wissen und siedelt die ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt August 2015
Rubrik: Panorama, Seite 39
von Carsten Niemann
Siebzehn Operninszenierungen, acht Ballettproduktionen. Haben sich die Schleusen des Subventionshimmels geöffnet? Hat sich das Teatro alla Scala in ein Repertoiretheater verwandelt, ist sovrintendente Alexander Pereira die Quadratur des Zirkels gelungen? Anlässlich der Expo 2015 hat die Politik für ihr Kulturschmuckkästchen tiefer in die Tasche gegriffen, man will...
Wunderbar, wie in der Ouvertüre die Soloklarinette als jäh aufschießende Flamme die Allegro-Erregungen des Orchestertuttis durchbrach, an Klangmacht der impetuösesten Trompete nicht nachstehend und doch so viel verwandter einer transzendierten Menschenstimme. Auch die Hörnergruppe des Staatsorchesters, leicht aufgeraut und virtuos eloquent, hatte unter der...
Es ist etwas faul in der Serenissima. «Silenzio. Mistero», raunt der Chor. Nebelschwaden quellen aus schlierig-grauem Kunstmauerwerk. Fast bis zu den Knien steht das Wasser. Die Gondeln liegen fest vertäut. Der Palast-Container ist verschlossen. Das Innere: ein goldener Käfig. Die Tore öffnen sich nur, wenn Francesco Foscari, der zwischen Familie und Staatsräson...
