Zugabe
Herr Kränzle, Sie mussten wegen einer lebensbedrohlichen Knochenmarkserkrankung ein Jahr pausieren. Was genau ist passiert?
Die ersten Symptome habe ich im Februar 2015 bemerkt. Ich probte in Frankfurt gerade für eine Wiederaufnahme des «Parsifal»: Amfortas, ein Rollendebüt. Eines Tages wurde mir beim Singen für ein paar Sekunden plötzlich schwarz vor Augen. Das wiederholte sich. Nun kursierte in dieser Zeit gerade eine böse Grippe, das halbe Ensemble war krank. Zunächst habe ich die Ausfälle darauf geschoben.
Während der Generalprobe hatte ich dann zeitweilig das Gefühl, die Kontrolle über die Stimme zu verlieren. Ganze Phrasen fühlten sich an, als seien sie ferngesteuert. Am Morgen nach der Premiere wachte ich auf und dachte, ich sei in ein schwarzes Loch gefallen, total ausgelaugt, die Stimme war weg.
Ahnten Sie bereits, dass etwas Ernsthaftes dahinter stecken könnte?
Nein. Ich habe zunächst einige HNO-Ärzte aufgesucht. Der Befund lautete: Monocorditis. Das heißt: Nur ein Stimmband war entzündet, die andere Seite völlig in Ordnung. Das kommt höchst selten vor und ist mit Verweis auf eine Grippe oder andere Infektion nicht zu erklären. Schließlich brachte ein ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Januar 2017
Rubrik: Magazin, Seite 72
von Albrecht Thiemann
Von den Schweizer Opernmetropolen Zürich und Genf aus gesehen liegt das Theater St. Gallen peripher. Provinziell geht es in dem Dreispartenhaus allerdings keineswegs zu; zumindest in seiner Opernabteilung dominieren quirlige Vitalität und bemerkenswerte Qualitätsstandards. Im Mai 2017 etwa kommt es dort zur Uraufführung von «Annas Maske», der ersten Oper des...
Die Zukunft seiner Zunft hatte der Fotograf Hans Böhm klar vor Augen: Szenenfotografien aus dem Theater, schwarz-weiß, gut belichtet, gestochen scharf, während der Probe aus dem dunklen Zuschauerraum heraus geschossen. Noch vor Kurzem war das undenkbar, aber jetzt, im Herbst 1924, machte die Dresdner Firma Ernemann Reklame für eine neuartige Kamera: die...
Schon Giacomo Puccini hätte aus Franz Molnárs «Liliom» gern eine Oper gemacht. Der Grund hierfür lag auf der Hand: Das Kleine-Leute-Milieu der «Vorstadtlegende», der machohaft rüde, dann aber doch nicht völlig schlechte Jahrmarktsausrufer Liliom und seine Braut Julie, die so stur wie hingebungsvoll hinnimmt, dass er sie schlägt – es wäre der perfekte Stoff für...
