Unterbelichtet
Die Zukunft seiner Zunft hatte der Fotograf Hans Böhm klar vor Augen: Szenenfotografien aus dem Theater, schwarz-weiß, gut belichtet, gestochen scharf, während der Probe aus dem dunklen Zuschauerraum heraus geschossen. Noch vor Kurzem war das undenkbar, aber jetzt, im Herbst 1924, machte die Dresdner Firma Ernemann Reklame für eine neuartige Kamera: die Ermanox, mit dem lichtstärksten Objektiv der Welt. Die Zukunft schien begonnen zu haben.
«Früher», schrieb er, «wurden entweder die Darsteller ins Atelier des Photographen eingeladen und mußten dort mit Sack und Pack, mit ihren in Taschen und Koffern verpackten Kostümen und Perücken, mit Friseur und Garderobier erscheinen, oder aber der Photograph bemächtigte sich ihrer während der Generalprobe, gerade wenn sie am meisten nervös und abgespannt waren, und baute sie auf der Bühne zu einer möglichst malerischen Gruppe auf.» An ein authentisches Szenenfoto, das scharf war, ausreichend belichtet und nicht verwackelt, war nicht zu denken gewesen; zu schlecht waren sowohl die Fototechnik als auch die Lichtverhältnisse im Theater.
Aber nun: Von nun an würde sich der Fotograf mit seinem Apparat in die Loge setzen und seine ...
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Opernwelt Januar 2017
Rubrik: Essay, Seite 52
von Florian Zinnecker
Seit einigen Jahren sind Anett Fritsch und Maria Bengtsson auf vielen Bühnen der Welt in Mozart-Partien zu erleben. Es lag nahe, dass die Sängerinnen für ihre ersten Solo-Alben auf dieses vertraute Repertoire zurückgriffen. Während Bengtsson sich ganz auf die Oper konzentriert, bezieht Fritsch auch zwei Konzertarien («Bella mia fiamma» und «Misera, dove son?»)...
Vom neugierigen Holzwurm, der im Parkettgestühl heimlich Violetta, die Königin der Nacht, Wotan und all die anderen Opernwesen belauscht, haben wir natürlich viel gehört. Auch die wieselflinken Ballettratten, ohne die das Bühnenleben nur halb so schön wäre, sind uns vertraut. Und Janáčeks Parabel vom kleinen Füchslein sowieso. Aber eine Katze, die im Theater...
Zu fragmentarisch ist Welt und Leben, / Ich will mich zum deutschen Professor begeben; / Der weiß das Leben zusammenzusetzen, / Und er macht ein verständliches System daraus. / Mit seinen Nachtmützen und Schlafrockfetzen / Stopft er die Lücken des Weltanbaus.» Ohne anklägerisches Pathos hat Heinrich Heine, grimmig ironisch, die große Vergeblichkeit skizziert,...
