Grenzüberschreitung
Große Massen auf leichten Füßen zu halten – das ist eine Kunst für sich. Der vereinigte Chor des Theaters Vorpommern und der Oper im Schloss Stettin ist eine beachtliche Masse, aber flotten Schrittes und stimmlich auf Zehenspitzen ziehen die Sänger als Edelleute in Wagners «Tannhäuser» auf die Wartburg. Die Choreinstudierung durch Malgorzata Bornowska und Julija Domaševa hat vorzügliche Arbeit geleistet, die Choreografie von Ralf Dörnen zusammen mit der Regie von Horst Kupich für Sicherheit und Klarheit gesorgt.
Doch erst der Generalmusikdirektor Golo Berg gibt diesem Einzug eine solch federnde italianità, eine von allen Klangsamtwämsen und orchestralen Helmbüscheln befreite Unbeschwertheit, dass der Chor gar nicht anders kann, als vokal zu tanzen.
Christopher Melching hat alle in rote Anzüge mit weißen Hemden gesteckt, eine Farb-Hommage an die polnischen Nachbaren, die hier zum zweiten Mal in Stralsund und bald in Greifswald eine große Wagner-Oper stemmen. «Lohengrin» bildete vor genau drei Jahren den Anfang. Der Mut des Intendanten Dirk Löschner, sich bei der Suche nach Kooperationspartnern gen Osten zu wenden, hat sich mehrfach ausgezahlt. Die Orchester führten ...
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Opernwelt Januar 2017
Rubrik: Panorama, Seite 48
von Jan Brachmann
Schon Giacomo Puccini hätte aus Franz Molnárs «Liliom» gern eine Oper gemacht. Der Grund hierfür lag auf der Hand: Das Kleine-Leute-Milieu der «Vorstadtlegende», der machohaft rüde, dann aber doch nicht völlig schlechte Jahrmarktsausrufer Liliom und seine Braut Julie, die so stur wie hingebungsvoll hinnimmt, dass er sie schlägt – es wäre der perfekte Stoff für...
Schottisches Hochland auf der Leinwand – gemalt, bühnenfüllend. Von der Seite nähern sich drei schwarze Gestalten mit leichenblassen Masken: die Hexen. Ihre langen, knöchernen Finger deuten nach vorne, in die Zukunft. Paukengrollen. Die Gestalten verschwinden. Sie werden wiederkommen – und das Unheil mit ihnen.
Schon im ersten Bild von Donizettis «Lucia di...
Wie wahr und wie prophetisch, was Shakespeare seinen Macbeth sagen lässt: «Life is a tale, told by an idiot, full of sound and fury, signifying nothing.» Als hätte er den amerikanischen Wahlkampf 2016 vorweggenommen. Oder den Mann mit dem Fliegenbärtchen in den 1930er-Jahren. Oder viele andere populistische Heißluftballone, denen die Knetmasse Volk nachlief...
