Grenzüberschreitung

Wagner: Tannhäuser
Stralsund | Theater Vorpommern

Opernwelt - Logo

Große Massen auf leichten Füßen zu halten – das ist eine Kunst für sich. Der vereinigte Chor des Theaters Vorpommern und der Oper im Schloss Stettin ist eine beachtliche Masse, aber flotten Schrittes und stimmlich auf Zehenspitzen ziehen die Sänger als Edelleute in Wagners «Tannhäuser» auf die Wartburg. Die Choreinstudierung durch Malgorzata Bornowska und Julija Domaševa hat vorzügliche Arbeit geleistet, die Choreografie von Ralf Dörnen zusammen mit der Regie von Horst Kupich für Sicherheit und Klarheit gesorgt.

Doch erst der Generalmusikdirektor Golo Berg gibt diesem Einzug eine solch federnde italianità, eine von allen Klangsamtwämsen und orchestralen Helmbüscheln befreite Unbeschwertheit, dass der Chor gar nicht anders kann, als vokal zu tanzen.

Christopher Melching hat alle in rote Anzüge mit weißen Hemden gesteckt, eine Farb-Hommage an die polnischen Nachbaren, die hier zum zweiten Mal in Stralsund und bald in Greifswald eine große Wagner-Oper stemmen. «Lohengrin» bildete vor genau drei Jahren den Anfang. Der Mut des Intendanten Dirk Löschner, sich bei der Suche nach Kooperationspartnern gen Osten zu wenden, hat sich mehrfach ausgezahlt. Die Orchester führten ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Januar 2017
Rubrik: Panorama, Seite 48
von Jan Brachmann

Weitere Beiträge
Heimatklänge

Ein Hang zur Edelfolklore regional gefärbter Evergreens erfreut sich besonders unter Tenören großer Beliebtheit. Luciano Pavarotti wurde es in Italien dennoch verübelt, dass er bei «Torna a Surriento» oder «’O sole mio» den neapolitanisch weichen Zungenschlag nur unzureichend imitierte. Wer Jonas Kaufmann auf seinem neuesten Album «Dolce Vita» hört, dem wird...

Triumph im Rollstuhl

Schottisches Hochland auf der Leinwand – gemalt, bühnenfüllend. Von der Seite nähern sich drei schwarze Gestalten mit leichenblassen Masken: die Hexen. Ihre langen, knöchernen Finger deuten nach vorne, in die Zukunft. Paukengrollen. Die Gestalten verschwinden. Sie werden wiederkommen – und das Unheil mit ihnen.

Schon im ersten Bild von Donizettis «Lucia di...

Lenas Welt

Die eine Farbe. Blau. Schon im Alten Testament findet sie Erwähnung (Exodus 28, 5-35) und ebenso in Homers «Ilias». Blau, das steht, je nach philosophisch-anthropologischem Kontext, für vieles: für zwiespältige Tiefe, für Jungfräulichkeit, für Bewusstsein und Weisheit (dharma-dhatu), für sanfte, ätherische Stimmung, für Ausschweifung, die Sehnsucht nach dem...