Aus dem Leben eines Taugenichts
Wir haben einen Schrank für Konzertkleidung zu Hause. Meine Frau hat mir darin neben ihren Roben eine kleine Ecke überlassen. Ich brauche zum Glück nicht viel Platz. Die Damen haben es schwerer. Für die Stars legen sich schon mal Designer ins Zeug, aber den Normalsterblichen schneidert niemand 36 000 Kristalle auf den Leib wie kürzlich Anna Netrebko in Salzburg. Wenn sich die Kosten gegen die Gagen halbwegs rechnen sollen, bleibt meinen Kolleginnen die Wahl zwischen Satin-Monstrositäten und samtenen Katastrophen.
Man braucht viel Geschmack (der meiner Frau ist übrigens tadellos, ist ja klar) und noch mehr Glück, um dem Schreckschrauben-Schicksal zu entkommen.
Mir verlangt selten jemand Spezielles ab. Meist tut’s ein Anzug, gelegentlich sogar das schwarze Hemd. Den Frack habe ich schon seit zwei Jahren nicht mehr gebraucht – teils, weil die Pinguine aus der Mode kommen (wurde auch Zeit), teils, weil ich weniger Konzert singe. Den «Messias» und die Messen überlasse ich inzwischen Jüngeren, deshalb hoffe ich, dass das Ding noch bis zur Rente hält. Ich hab nicht vor, noch einen zu kaufen. Mal ehrlich, das zahlt sich einfach nicht aus. In meinen vierzig Jahren als ...
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Opernwelt Januar 2017
Rubrik: Magazin, Seite 73
von Christopher Gillett
Zwei Außenseiter, ohne Zweifel. Der eine, Ermanno Wolf-Ferrari, hin und her gerissen zwischen dem Hang zur bittersüßen Melancholie und einer gewachsenen Liebe zu einer Art Rokoko-Verismus. Der andere, Nino Rota, dessen «Schicksal» es war, im falschen Jahrhundert (und für das falsche Genre) zu komponieren – allzu wenig hatte das «Zeitalter der Extreme» übrig...
Die Effekte sind schon ziemlich spektakulär: Dass Peter Pan und seine Londoner Freunde über die Bühne fliegen, wird natürlich erwartet. Aber der Junge, der niemals erwachsen werden will, kann auch Wände hochlaufen, und in Jason Southgates puppenstubigem Bühnenbild gibt es eine Eisenbahn-Strecke, über die nicht nur altmodische U-Bahn-Waggons ruckeln, sondern...
Jubilare
Grace-Melzia Bumbry kam 1937 in St. Louis, Missouri, zur Welt. Nach dem Studium, u. a. an der Boston University und der Music Academy in Santa Barbara, gelang ihr rasch der internationale Durchbruch: 1960 sang sie in Paris die Amneris in Verdis «Aida» und wurde daraufhin von Wieland Wagner 1961 zu den Bayreuther Festspielen eingeladen, wo sie unter...
