Aus dem Leben eines Taugenichts

Opernwelt - Logo

Wir haben einen Schrank für Konzertkleidung zu Hause. Meine Frau hat mir darin neben ihren Roben eine kleine Ecke überlassen. Ich brauche zum Glück nicht viel Platz. Die Damen haben es schwerer. Für die Stars legen sich schon mal Designer ins Zeug, aber den Normalsterblichen schneidert niemand 36 000 Kristalle auf den Leib wie kürzlich Anna Netrebko in Salzburg. Wenn sich die Kosten gegen die Gagen halbwegs rechnen sollen, bleibt meinen Kolleginnen die Wahl zwischen Satin-Monstrositäten und samtenen Katastrophen.

Man braucht viel Geschmack (der meiner Frau ist übrigens tadellos, ist ja klar) und noch mehr Glück, um dem Schreckschrauben-Schicksal zu entkommen.

Mir verlangt selten jemand Spezielles ab. Meist tut’s ein Anzug, gelegentlich sogar das schwarze Hemd. Den Frack habe ich schon seit zwei Jahren nicht mehr gebraucht – teils, weil die Pinguine aus der Mode kommen (wurde auch Zeit), teils, weil ich weniger Konzert singe. Den «Messias» und die Messen überlasse ich inzwischen Jüngeren, deshalb hoffe ich, dass das Ding noch bis zur Rente hält. Ich hab nicht vor, noch einen zu kaufen. Mal ehrlich, das zahlt sich einfach nicht aus. In meinen vierzig Jahren als ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Januar 2017
Rubrik: Magazin, Seite 73
von Christopher Gillett

Weitere Beiträge
Beziehungsprobleme

Wie kann man das ungeschriebene Gesetz umgehen, nach welchem «Cavalleria rusticana» und «I Pagliacci» unter dem Spitznamen «Cav/Pag» am selben Abend aufgeführt werden? 2012 stellte Nicolas Joel diese Praxis nicht in Frage, als Giancarlo Del Monaco die beiden Einakter an der Bastille Oper verkoppelte. Auch an der Mailänder Scala blieb Stéphane Lissner 2011 der...

Charmant verschroben

Die Effekte sind schon ziemlich spektakulär: Dass Peter Pan und seine Londoner Freunde über die Bühne fliegen, wird natürlich erwartet. Aber der Junge, der niemals erwachsen werden will, kann auch Wände hochlaufen, und in Jason Southgates puppenstubigem Bühnenbild gibt es eine Eisenbahn-Strecke, über die nicht nur altmodische U-Bahn-Waggons ruckeln, sondern...

Meistersinger

Es ist misslich, wenn ein Stück als Spielmaterial für die Einfälle des Regisseurs gebraucht wird. Während der länger als vier Stunden dauernden Aufführung von Giacomo Meyerbeers «Les Huguenots» in der Deutschen Oper Berlin wurde es zunehmend mühsamer, hinter den nach dem Prinzip von Show & Entertainment arrangierten Einfällen des britischen Regisseurs David...