Zu viel Distanz

Bizet: Carmen
Essen | Aalto-Theater

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Die Welt ist eine Scheibe. Die Scheibe eine Arena. Sandfarben, backofenwarm ausgeleuchtet von Alex Brok. Dennoch will irisierende Stimmung nicht aufkommen. Es fehlen die Zuschauer, ihr Gejohle und Geraune, es fehlt das Flair des Stierkampfs. Es fehlt das Klischee. Lotte de Beer deutet Mérimées sevillanische Atmosphäre am Essener Aalto-Theater nur in den Kostümen (Clement & Sanôu) an, sowie mit einer von ihr selbst realisierten Choreografie, die traditionelle Massenauftritte stilisiert. Und genau das ist der Knackpunkt.

Bizets «Carmen» ist zwar genretechnisch eine Opéra-comique, erzählt aber darüber hinaus die Geschichte einer Frau, die frei sein will wie ein Vogel und diese Selbstbestimmung unabhängig von Leben oder Tod wählt. Da sind, wie auch immer man die Titelfigur zeichnet, erkleckliche Leidenschaften und Verwerfungen im Spiel. Die Carmen der niederländischen Regisseurin aber atmet vor allem eines: Distanz. Distanz zu den Herren der Schöpfung, zu sich selbst, zur Liebe, zum Leben, zur Lust. Als kühle, intellektuelle (rothaarige) Schönheit betritt Bettina Ranch die Szenerie, ihre Erotik sublim aussteuernd, mit abwehrender Gestik und – anders als ihr samten dunkler Mezzo – nur ...

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Opernwelt Dezember 2018
Rubrik: Panorama, Seite 34
von Jürgen Otten

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