Episch
Verglichen mit «Einstein on the Beach» und «Akhnaten», stellt Philip Glass’ «Satyagraha» für Produktionsteams die größere Herausforderung dar. «Einstein» ist eine Art surrealistischer Bilderbogen, «Akhnaten» eine linear erzählte Geschichte. Der Form nach liegt «Satyagraha» irgendwo dazwischen. Einerseits handelt es sich um eine Meditation über das Leben Mahatma Ghandis, in Szenen, die auf seinen persönlichen albtraumhaften Erfahrungen wie auf Bildern der gewaltsamen politischen Ikonografie des 20. Jahrhunderts beruhen.
Andererseits behandelt das Stück Gandhis Entwicklung zum Aktivisten, was die Erwartung einer kohärenten Handlung schürt. Doch Glass bietet weder chronologische Ordnung noch einen nachvollziehbaren Text – das Libretto ist in Sanskrit geschrieben und sollte, so der Komponist, nicht durch Übertitel «übersetzt» werden.
Dass es dem Regisseur Phelim McDermott in seiner für die Los Angeles Opera neu erarbeiteten Inszenierung aus London und New York (siehe OW 6/2008) gelingt, das Publikum unmittelbar zu fesseln, statt es zu verwirren, ist das vielleicht deutlichste Plus der Produktion. Bleibt im ersten Akt noch vieles unnötig dunkel, kann sich im zweiten der Sog der Bilder ...
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Opernwelt Dezember 2018
Rubrik: Panorama, Seite 38
von Simon Williams
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