Zu nobel für die Bühne

Gounod: Roméo et Juliette an der Staatsoper Berlin

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Wieviel Feinheit verträgt die Kunstform Oper? Charles Gounod schrieb für «Roméo et Juliette» eine außerordentliche Musik: gelehrt in der Verwendung traditioneller polyphoner Techniken, gediegen in ihrem wohltönenden, kunstvoll ausbalancierten Stimmensatz, raffiniert in der Aufbietung aparter Klangeffekte. Vom «großen Pinsel» machte Gounod ungern einmal Gebrauch, er liebte das Einfache, Noble. Da mag auch die Nähe des Komponisten zur Kirchenmusik eine Rolle spielen.

Eher an ein Oratorium jedenfalls erinnert der Beginn von «Roméo et Juliette» mit kunstreichem Fugato und anschließender Chornummer. Ausdrucksstark greift Gounod zwar auf chromatische Tonfolgen zurück, mit einem anderen großen Vertreter dieser Kunst, dem fünf Jahre älteren Richard Wagner, hat er aber sonst kaum etwas gemein. Zwei Jahre nach dem «Tristan» wurde «Roméo et Juliette» uraufgeführt, doch beide Werke trennen trotz Ähnlichkeit der Thematik Welten. Am deutlichsten ab -zulesen vielleicht an der «Nacht der Liebe», die in beiden Werken vorkommt. Was bei Wagner von Todessehnsucht und Weltüberdruss erzählt, ist bei Gounod pure Poesie: Die Liebe erscheint als Moment, in dem sich die ganze Vielfalt und Harmonie des ...

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Opernwelt Januar 2025
Rubrik: Panorama, Seite 46
von Clemens Haustein

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