Drama der Diplomatie
Make love, not war!» In einer zugespitzten Weltsituation hat dieser Aufruf fast existenzielle Bedeutung. Der «Armida»-Stoff aus Torquato Tassos Epos «Das befreite Jerusalem» behauptete durch die Jahrhunderte hindurch dennoch das Gegenteil: Männliche (Kriegs-)Disziplin sei besser als erotische Verweichlichung. In Potsdam entwickelt Haydns Vertonung eine packend expressive, emotional dichte und poetisch wirksame Dynamik.
Björn Reinke gibt in seiner zwar plausibel konstruierten, aber wenig präzisen Personenregie nicht dem zwischen Liebe und Pflicht zerrissenen Kreuzfahrer Rinaldo recht, sondern der von ihren Gefühlen geleiteten Nicht-Zauberin Armida. Am Ende ist Rinaldo tot. Reinke setzt so einen bitteren Akzent anstelle des originalen Abschieds der Liebenden. Die für Krieg und Frieden stehenden Symbole – ein kleiner Myrtenbaum und ein Maschinengewehr – kommen wieder in die Vitrinen im Konferenzraum des syrischen Königs Idreno.
Sibylle Gädekes sachlich moderner, sich in den Prunk des Schlosstheaters dezent einfügender Bühnenraum bewegt sich zwischen Konferenztisch mit Schachspiel und nächtlichem Armee-Camp. Gädekes Kostüme sind weitaus schlichter als die vom Komponisten in seiner ...
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Opernwelt Januar 2025
Rubrik: Panorama, Seite 41
von Roland H. Dippel
Einen 41-Jährigen noch als Nachwuchs-Regisseur zu bezeichnen, verbietet sich eigentlich. Und doch wird Vasily Barkhatov als solcher gehandelt, vielleicht auch deshalb, weil er mit seiner dramatischen weißblonden Mähne und den weichen Gesichtszügen wesentlich jünger wirkt. Die tiefe Sprechstimme dagegen überrascht. Zum ersten Mal für Furore sorgte der 1983 in Moskau...
Totenbleich, mit Mord in den Augen und Rasiermesser in der Hand, schaut Sweeney Todd maliziös grinsend in den Zuschauerraum. Obwohl er erst vor wenigen Momenten den Bühnentod gestorben ist, steht der «Demon Barber of Fleet Street» aufrecht auf seinen zwei Beinen, als der Vorhang fällt. Eine Legende stirbt eben nicht. Auch nicht an der Komischen Oper im Schiller...
Die Geschichte der Grusche Vachnadze kennt ein jedes kluges (theaterverliebtes) Kind. Bertolt Brecht hat der grusinischen Küchenmagd, die wider Willen, aber guten Herzens inmitten der Kriegswirren zur (Zieh-)Mutter wird, weil die eigentliche Mutter, eine hochmütige Gouverneursgattin, ihr Kind in der Krise sowohl aus den Augen als auch aus dem Sinn verliert, mit...
