Drama der Diplomatie
Make love, not war!» In einer zugespitzten Weltsituation hat dieser Aufruf fast existenzielle Bedeutung. Der «Armida»-Stoff aus Torquato Tassos Epos «Das befreite Jerusalem» behauptete durch die Jahrhunderte hindurch dennoch das Gegenteil: Männliche (Kriegs-)Disziplin sei besser als erotische Verweichlichung. In Potsdam entwickelt Haydns Vertonung eine packend expressive, emotional dichte und poetisch wirksame Dynamik.
Björn Reinke gibt in seiner zwar plausibel konstruierten, aber wenig präzisen Personenregie nicht dem zwischen Liebe und Pflicht zerrissenen Kreuzfahrer Rinaldo recht, sondern der von ihren Gefühlen geleiteten Nicht-Zauberin Armida. Am Ende ist Rinaldo tot. Reinke setzt so einen bitteren Akzent anstelle des originalen Abschieds der Liebenden. Die für Krieg und Frieden stehenden Symbole – ein kleiner Myrtenbaum und ein Maschinengewehr – kommen wieder in die Vitrinen im Konferenzraum des syrischen Königs Idreno.
Sibylle Gädekes sachlich moderner, sich in den Prunk des Schlosstheaters dezent einfügender Bühnenraum bewegt sich zwischen Konferenztisch mit Schachspiel und nächtlichem Armee-Camp. Gädekes Kostüme sind weitaus schlichter als die vom Komponisten in seiner ...
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Opernwelt Januar 2025
Rubrik: Panorama, Seite 41
von Roland H. Dippel
Kurz vor der Gebiss-Innenseite wird der Kampflaut der Freibeuter erzeugt, mit Flatterzunge und davorgeschaltetem Vokal. «Arrrrgh!», schreibt sich das und wird irgendwann auf Tafeln auch dem Publikum präsentiert.
Die Premierengemeinde zögert nur kurz. Wie überhaupt fast jede Nummer begeistert beklatscht wird und sich alle nach dem Schlusston zu standing ovations erh...
Lieber Herr Konwitschny, ist die beste aller möglichen Welten noch zu retten?
Woher soll ich das denn wissen? Allein die Frage ist schon falsch. Jedenfalls kann ich sie nicht beantworten. Aber ich will es mal so sagen: Es wäre furchtbar, wenn es so bliebe, wie es jetzt ist.
Wie aber sollen wir die Generation unserer Kinder davon überzeugen, dass der Hegel’sche...
Im «Idomeneo» messe Mozart in einer «der aufregendsten Partituren des 18. Jahrhunderts (…) die Extreme menschlicher Emotionen aus», liest man im Editorial des Programmhefts der Stuttgarter Neuinszenierung. Auf der Bühne allerdings ist von diesem radikalen Gesellschaftsentwurf und seinen aufklärerisch-dialektischen Energien nichts zu sehen. Es herrscht bleierne...
