Träume auf dem Kussmundsofa
Auch im Märchenland ist eines klar: Jeder Topf hat seinen Deckel, jeder Prinz muss seine Prinzessin finden. Die Herren der Schöpfung sind dabei mehrheitlich langlockige, muskulöse junge Kerle in Strumpfhosen, die sich an Gemächt und Hintern, Schenkeln und Waden dermaßen gehörig ausbeulen, dass es schon fast ungehörig ist. Und wenn sich ihr Sixpack nicht ohnehin durch Harnisch oder Wams durchdrückt, tragen sie ihre Hemden so weit aufgeknöpft, als müssten sie jeden Moment mit einer Herztransplantation rechnen.
Metaphorisch stimmt das natürlich, denn in ihrer Brust schlägt es längst für die adorierten jungen Damen – und umgekehrt. Die sind vergleichsweise individueller ausgestattet: Schneewittchen, Rapunzel, Arielle und etliche mehr tragen ihre ikonischen Outfits. Ein Tag wie jeder andere also im heteronormativen Disney-Universum. Bis da eine ausschert aus dem Defilee der Traumpaare.
Angelina ist es, genannt Cenerentola, die Heldin von Rossinis gleichnamiger «Aschenputtel»-Vertonung. In der Regie von Ilaria Lanzino verlässt sie das verordnete Idyll in Zuckerlrosa und fackelt gleich einmal ihr langes Rüschenkleid zu einer bequemeren Kurzversion ab, aus der dann noch längere Zeit ...
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Opernwelt Januar 2025
Rubrik: Panorama, Seite 42
von Walter Weidringer
Noch bevor ich eine Aufführung sehen konnte, sprachen mich Leute auf diesen «Don Pasquale» an. Eine junge Sopranistin aus der Akademie des Festivals habe alle anderen an die Wand gesungen, großartige Entdeckung! Die Regisseurin habe mit ihren Einfällen die Bühne überladen. Außerdem war der intrikate Einwand zu vernehmen, die von der anderen Seite der Alpen...
Einige Zeit ist das her, 16 Jahre genau, als er vom Dirigenten ständig ausgebremst wurde. Zu viel Dampf, zu viel Dezibel: Nikolaus Harnoncourt musste sich mit seinem Idomeneo-Sänger bei der Grazer Styriarte erst ins Benehmen setzen, wie er einmal im persönlichen Gespräch erzählte. Das Ergebnis gab dem (damals auch inszenierenden) Maestro Recht: Ein Kreter-König mit...
Selbst der liberalste Kosmopolit bezweifelt gelegentlich, dass die Kunstwerke sämtlicher Völker tatsächlich von Angehörigen sämtlicher Völker verstanden werden. Beziehungsweise angemessen interpretiert werden können. Schrieb Bruckner etwa für Burmesen? Liegen die Waiata-Gesänge der Maori auch den Gächinger Kantoristen gut in der Kehle? Und sollte man Sauerländern...
