Träume auf dem Kussmundsofa

Rossini: La Cenerentola an der Oper Graz

Opernwelt - Logo

Auch im Märchenland ist eines klar: Jeder Topf hat seinen Deckel, jeder Prinz muss seine Prinzessin finden. Die Herren der Schöpfung sind dabei mehrheitlich langlockige, muskulöse junge Kerle in Strumpfhosen, die sich an Gemächt und Hintern, Schenkeln und Waden dermaßen gehörig ausbeulen, dass es schon fast ungehörig ist. Und wenn sich ihr Sixpack nicht ohnehin durch Harnisch oder Wams durchdrückt, tragen sie ihre Hemden so weit aufgeknöpft, als müssten sie jeden Moment mit einer Herztransplantation rechnen.

Metaphorisch stimmt das natürlich, denn in ihrer Brust schlägt es längst für die adorierten jungen Damen – und umgekehrt. Die sind vergleichsweise individueller ausgestattet: Schneewittchen, Rapunzel, Arielle und etliche mehr tragen ihre ikonischen Outfits. Ein Tag wie jeder andere also im heteronormativen Disney-Universum. Bis da eine ausschert aus dem Defilee der Traumpaare.

Angelina ist es, genannt Cenerentola, die Heldin von Rossinis gleichnamiger «Aschenputtel»-Vertonung. In der Regie von Ilaria Lanzino verlässt sie das verordnete Idyll in Zuckerlrosa und fackelt gleich einmal ihr langes Rüschenkleid zu einer bequemeren Kurzversion ab, aus der dann noch längere Zeit ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Januar 2025
Rubrik: Panorama, Seite 42
von Walter Weidringer

Weitere Beiträge
Ein Häufchen Elend

Italienerinnen und Italiener haben ein gespaltenes Verhältnis zum Wasser. Zwar verbringen sie ihre Ferien am liebsten am Strand – doch schwimmen gehen sie kaum. Die Allermeisten wagen sich höchstens bis zur Hüfte ins Meer. Dort telefonieren sie dann ausgiebig, manchmal plaudern sie auch mit real anwesenden Mitmenschen. Junge Leute werfen sich, im Kreis stehend,...

Erlösung gibt's hier keine

Stimmlich haben sich hier zwei gefunden: Seunghee Kho als Violetta Valery und Sung Min Song als Alfredo Germont geben, obschon beide eigentlich keine idealen Vertreter des Bel Canto, musikalisch ein prächtiges Paar ab. Eine exzellente Abstimmung mit dem Orchester hilft ihnen überdies; die Interimsspielstätte «Oper am Luisenpark» verfügt über eine schöne Balance...

Wenn Engel singen

Wie die meisten seiner italienischen Kollegen hat Johann Adolf Hasse nicht nur Opern, sondern auch geistliche Musik in beträcht -lichem Umfang komponiert. Fast ein halbes Jahrhundert lang stand der in Italien als «divino Sassone» verehrte Komponist in Verbindung mit dem Ospedale degli Incurabuli in Venedig, einem Waisenhaus für Mädchen und junge Frauen, die in...