Zoff in der Lagune
Zu den großen Bewunderern von Carlo Goldonis populärer Komödie «Le baruffe chiozzotte» zählte auch Johann Wolfgang von Goethe; nachzulesen ist es in einem Reisetagebucheintrag vom 10. Oktober 1786: «Nun endlich kann ich denn auch sagen, daß ich eine Komödie gesehen habe! Sie spielten heut’ auf dem Theater St. Lukas
[…] Das gewöhnliche Geschrei dieser Leute im Guten und Bösen, ihre Händel, Heftigkeit, Gutmütigkeit, Plattheit, Witz, Humor und ungezwungene Manieren, alles ist gar brav nachgeahmt.»
Mehr als zwei Jahrhunderte und einige Adaptionen später setzt Giorgio Battistelli die von Goethe skizzierte Tradition mit seinem Musiktheater «Le baruffe» fort. Den Auftrag hierzu hatte das Teatro La Fenice anlässlich des 60-jährigen Bestehens des venezianischen Verlages Marsilio erteilt, der seit den 1990er-Jahren die kritische Ausgabe der Goldoni-Werke ediert. Das Libretto (der Komponist verfasste es zusammen mit Uraufführungs-Regisseur Damiano Michieletto) hält sich trotz einiger Kürzungen genau an die Handlung der Komödie; Battistelli stellt ihr lediglich eine kleine chorische Passage ...
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Opernwelt April 2022
Rubrik: Panorama, Seite 52
von Stefano Nardelli
Tora Augestad ist nicht zu fassen. Ein bisschen erinnert eine Begegnung mit ihrer Kunst an die Erkundung von Herzog Blaubarts Schloss: Mehrere «Türen» gibt es da, die man ganz behutsam öffnet, im Glauben, endlich auf den Schatz (oder zumindest auf irgendeine Erkenntnis) zu treffen, um dann doch jedes Mal ziemlich überrascht davon zu sein, was man in den Räumen...
In der Querelle des Bouffons Anfang der 1750er-Jahre, so erzählt es jedes Musikgeschichtsbuch, standen die Vertreter der höfischen Tragédie lyrique hinter ihrer Führungsfigur Jean-Philippe Rameau unversöhnlich den Verfechtern einer progressiven, von italienischen Intermezzi inspirierten komischen Oper entgegen. Doch Geschichte zwingt besonders kluge Menschen...
Am Anfang waren da nur die Töne. Töne wie Tropfen, die sich zusehends verdichteten, zu stahlummantelten, mikrotonalen Trauben. Aber schon bald kamen die Bilder hinzu, in denen sich Georg, trauriger Antiheld in Arnulf Hermanns hermetisch-verrätseltem Musiktheater «Der Mieter» (nach Roland Topors Roman «Le Locataire chimérique»), verlor: Bienek’scher Zellenbewohner,...
