Der Preis ihres Lebens
Wie haben wir ihn nicht geschmäht: als Traditionalisten, als Katholiken, gar als Boulevardisten. Das war zu Zeiten, da Darmstadt noch den Vatikan der Neuen Musik beherbergte. Sie sind längst vorbei. Heute blickt man entspannter auf die Musik von Francis Poulenc, zum Beispiel auf die «Dialogues des Carmélites», Poulencs religiöse Oper von 1956 – zumal wenn sie so schlüssig dargeboten wird, wie es dem Opernhaus Zürich gelungen ist.
Ein großartiges, ganz und gar eigenständiges Werk, so zeigt es der Abend.
Eines, das zwar am Rand des Repertoires steht, sich dort aber stark und selbstbewusst gibt. Was Oper ausmacht, ist kaum vorhanden. Es gibt weder Arien noch Ensembles, keine Liebesgeschichte, auch fast keine Handlung. Und: Es gibt keine Männer; die wenigen Vertreter des (vermeintlich) starken Geschlechts fungieren als dramaturgische Dienerschaft. Im Zentrum steht eine Gruppe von Nonnen aus dem Orden der Karmeliterinnen, die im Sommer 1794, der Terror der Französischen Revolution stand auf seinem Höhepunkt, aus ihrem Kloster vertrieben, zum Ablegen der Tracht gezwungen und schließlich unter einem hanebüchenen Vorwand guillotiniert wurden. Unter ihnen Blanche, eine junge Frau adliger ...
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Opernwelt April 2022
Rubrik: Im Focus, Seite 12
von
Zum eindrucksvollsten theatralischen Moment dieser Aufführung geriet der Beginn des dritten Aktes: Ortrud, die Hexe im roten Gewand, breitete inmitten der Bühne zu den strahlenden Klängen des Hochzeitsmarsches ihre Zaubersteine aus. Als ob Europa gerade den Schrecken der Pandemie entronnen wäre und der russische Wahnsinn sich nun anschickte, alles um sich herum zu...
Giacomo Puccinis wunderschöne – legendär kurze, momenthaft sich verflüchtigende und dabei monumental wirkungsmächtige – Arien haben selten ein «richtiges» Ende. Puccini hat seinen Wagner studiert, nicht nur, was das Durchkomponieren angeht. Und so fällt der stürmische Applaus für Angelos Samartzis’ «Nessun dorma» zu Beginn des dritten «Turandot»-Akts direkt in die...
Am 26. März 1943 wurde Eugen Engel – 1875 im damals ostpreußischen Widminnen geboren – im Konzentrationslager Sobibor von den Nationalsozialisten ermordet. Noch als Jugendlicher nach Berlin gekommen, war der Halb-Autodidakt gern und oft gesehener Gast in der Oper – die entsprechenden Partituren hatte er stets im Gepäck. Obwohl eigentlich gelernter Kaufmann, nahm...
