Zerrissene Seelen
In den vergangenen Jahren sind Nikolai Medtners Werke, vor allem seine Stücke für Klavier, zunehmend aus dem Schatten der Werke seines Freundes Sergej Rachmaninow getreten. Als Liedkomponist fand Medtner bislang jedoch wenig Beachtung. Zu Unrecht, wie die Mezzosopranistin Ekaterina Levental und der Pianist Frank Peters in ihrer Gesamteinspielung der mehr als 100 Lieder zeigen, deren fünfte und letzte Folge mit Vertonungen von Versen Nietzsches, Goethes, Eichendorffs und anderen nun erschienen ist.
Das titelgebende Gedicht «Geweihter Platz», in dem ein Dichter heimlich Nymphen und Grazien beobachtet und voller Demut von den Geheimnissen der Welt berichtet, ist nicht nur sinnstiftender Überbegriff des Albums, es bildet auch die Vorlage für die Suite-Vocalise, die mit einer Dauer von fast 12 Minuten Dreh- und Angelpunkt ist. Die Verse sind durchglüht von zerrissenen Seelen, rastlosen Herzen, von Menschen, die ihren Frieden (und manchmal ihren Glauben) in der Natur finden. Gleich zweimal vertonte der russische Komponist diesen Goethe-Text, wobei einmal die mystische Atmosphäre, im anderen Fall ein grazil-tänzerisches Thema im Vordergrund stehen.
Medtners Klangsprache ist von großer ...
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Opernwelt April 2025
Rubrik: Medien, Seite 33
von Eva Nesselrath
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Es muss ihm wie ein Traum vorgekommen sein. Schon ein Greis war Gustave Charpentier, als die Opéra-Comique in Paris anlässlich des 50-jährigen Bühnenjubiläums seiner «Louise» eine neue Inszenierung durch den französischen Maler Maurice Utrillo vorbereitete, die gut und gern unter dem Motto «1000 Mal berührt, und stets ist etwas passiert» hätte stehen können. Denn...
Die Herren, wiewohl Landsleute und beide mit reichlich Geist gesegnet, waren uneins. Während Samuel Pepys, dessen Tagebücher aus den Jahren 1660 bis 1669 eine noch heute stetig sprudelnde Quelle der Inspiration bilden, Shakespeares Schauspiel «A Midsummer Night’s Dream» mit einem Federstrich abkanzelte («Es ist das albernste und geschmackloseste Stück, das ich je...
