Iss mal einen Keks!
Das Rote Meer teilt sich: Die Hebräer fliehen vor den Ägyptern, die in den zurückflutenden Wassermassen versinken. Mit diesem alttestamentarischen Bild endet Rossinis «Moses in Ägypten». Der Komponist schätzte dramatische Effekte. Um das Verbot weltlicher Opern zur Fastenzeit zu umgehen, griff er – wie viele Komponisten seiner Zeit – auf einen biblischen Stoff zurück, von dem er sich eine spektakuläre Bühnenwirkung versprach.
Seine 1818 in Neapel uraufgeführte «Azione tragico-sacra» über den Auszug aus Ägypten war ein außerordentlicher Erfolg, auch wenn die technische Ausführung des Schlussbildes bei der Premiere gründlich misslang: Hinter den Kulissen wurden Bühnenarbeiter sichtbar, die die Wellen des Meeres zum Rollen brachten.
Am Theater Gießen setzt das Regieteam bei der Neuinszenierung des Werks nun von vorn -herein auf einen anders gearteten Schluss. Zusammen mit ihrem Team war die Regisseurin Carmen C. Kruse zuvor in der Stadt ausgeschwärmt. In Kitas, in Familienzentren, in Senioreneinrichtungen und in Kleingartenvereinen hatten sie danach gefragt, wie das gelobte Land der Freiheit denn heute aussehen könnte. Im Schlussbild werden die Antworten nun auf Videoleinwänden ...
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Opernwelt April 2025
Rubrik: Panorama, Seite 51
von Silvia Adler
Wir stellen uns die Szene vor. Eine Soirée im Hause Amantine Aurore Lucile Dupin de Francueils, mit illustren Gästen, sämtlich kunstsinnige Feingeister wie die Gastgeberin selbst, die unter ihrem Pseudonym George Sand Eingang in die Literatur- und Musikgeschichte gefunden hat. Vorneweg, wie sollte es anders sein, Frédéric Chopin, der empfindsame Pianist und ihr...
Grimmig sieht er aus, der Licht- und Feuerbringer, von Schatten umgeben, verdüstert irgendwie. Doch liest man die Verse, die der Geheimrat Goethe seinem «Prometheus» in die Seele streute, muss man sich nicht wundern. Da fürchtet jemand um den Bestand der Erde, und weil er ein aufrichtiger Geist ist, gibt der an den Kaukasus geschmiedete Menschenfreund dem obersten...
In den vergangenen Jahren sind Nikolai Medtners Werke, vor allem seine Stücke für Klavier, zunehmend aus dem Schatten der Werke seines Freundes Sergej Rachmaninow getreten. Als Liedkomponist fand Medtner bislang jedoch wenig Beachtung. Zu Unrecht, wie die Mezzosopranistin Ekaterina Levental und der Pianist Frank Peters in ihrer Gesamteinspielung der mehr als 100...
