Zerfetzt
Mozarts «Così fan tutte» ist eine der wenigen Opern, die man eigentlich nicht verfehlen kann, weil die szenische Dramaturgie von Lorenzo Da Pontes genialem Libretto in jedem Setting, ob konkret verortet oder abstrakt, funktioniert. Die Wette auf die Frauentreue, die Don Alfonso inszeniert, gleitet dem misogynen Zyniker schnell aus der Hand, aus Spiel wird Ernst. Ausgestaltet wird Da Pontes experimentalpsychologisches Theater aber erst von Mozarts Musik mit ihrem schonungslosen Blick auf die Wandelbarkeit der Gefühle.
In der Musik wird die Verführbarkeit der Geschlechter durch Erotik und sexuelle Anziehung so ironisch-doppelbödig dargestellt, dass sich gespielte von wahren Gefühlen nicht mehr unterscheiden lassen – erfundene Wahrheit, weil sie nicht mehr, aber auch nicht weniger als Theater sein will.
David Hermann wischt dies alles beiseite und nennt seine Inszenierung am Gelsenkirchener Musiktheater im Revier, die zuvor schon an der Strasbourger Opéra National du Rhin zu sehen war, «realhistorisch». Ferrando und Guglielmo, die wir uns hier als Franzosen vorstellen müssen, verkleiden sich nicht, sondern ziehen 1914 als Soldaten in die Schützengräben des Ersten Weltkriegs. Wenn ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt August 2024
Rubrik: Panorama, Seite 54
von Uwe Schweikert
Für Giuseppe Verdi war Musiktheater Gesangstheater – und ist «der Angelpunkt einer Oper die Stimme», wie Uwe Schweikert es in einem seiner brillanten Essays formuliert hat. Daher reicht Enrico Carusos Antwort auf die Frage, was es für eine erfolgreiche Aufführung des «Trovatore» brauche, über den Charakter eines Bonmots hinaus: «Lediglich die vier besten Sänger der...
Bedřich Smetana ist im kollektiven Musikgedächtnis als Komponist der «Moldau», dem prominentesten Teil des symphonischen Zyklus «Má vlast» (Mein Vaterland) abgespeichert. Aus Smetanas Opernschaffen hat eigentlich nur die «Verkaufte Braut» ihren Weg ins Kernrepertoire gefunden. Und die scheint derzeit aus der Mode gekommen, von den großen Häusern brachte zuletzt die...
Die beiden Vivaldi-Opern, die im Juni in Venedig und Paris aufgeführt wurden, spiegeln in ihren Inszenierungen zwei ganz unterschiedliche Arten, wie Barockoper heute gezeigt werden kann: modernisiert oder eher klassisch. Welcher Ansatz trifft besser? Antonio Vivaldi jedenfalls schrieb seine Dramme in musica mit einer gewissen Lässigkeit. Es war nicht ungewöhnlich,...
