Zerfetzt
Mozarts «Così fan tutte» ist eine der wenigen Opern, die man eigentlich nicht verfehlen kann, weil die szenische Dramaturgie von Lorenzo Da Pontes genialem Libretto in jedem Setting, ob konkret verortet oder abstrakt, funktioniert. Die Wette auf die Frauentreue, die Don Alfonso inszeniert, gleitet dem misogynen Zyniker schnell aus der Hand, aus Spiel wird Ernst. Ausgestaltet wird Da Pontes experimentalpsychologisches Theater aber erst von Mozarts Musik mit ihrem schonungslosen Blick auf die Wandelbarkeit der Gefühle.
In der Musik wird die Verführbarkeit der Geschlechter durch Erotik und sexuelle Anziehung so ironisch-doppelbödig dargestellt, dass sich gespielte von wahren Gefühlen nicht mehr unterscheiden lassen – erfundene Wahrheit, weil sie nicht mehr, aber auch nicht weniger als Theater sein will.
David Hermann wischt dies alles beiseite und nennt seine Inszenierung am Gelsenkirchener Musiktheater im Revier, die zuvor schon an der Strasbourger Opéra National du Rhin zu sehen war, «realhistorisch». Ferrando und Guglielmo, die wir uns hier als Franzosen vorstellen müssen, verkleiden sich nicht, sondern ziehen 1914 als Soldaten in die Schützengräben des Ersten Weltkriegs. Wenn ...
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Opernwelt August 2024
Rubrik: Panorama, Seite 54
von Uwe Schweikert
Irgendwann wurde es ihm dann doch zu viel. Die Berge voller Leichen, das Blut, die verstümmelten Körper, das martialische Kriegsgeschrei, dieser unaufhörliche, schauderhafte Schrecken war so unaushaltbar geworden, dass er beschloss zu gehen, irgendwohin. Jedenfalls hinunter von der Bühne, heraus aus dem Theater der Grausamkeit, hinein in ein neues, anderes,...
Hier hat die Jugend das Wort. Das muss jedem auffallen, der am Bahnhof aus dem Zug steigt und den Ausgang Richtung Zentrum nimmt. Auf einer bunten, großformatigen Werbetafel im Fußgängertunnel, gestaltet im Comic-Art-Stil, lässt Gregor aus der 4. Klasse wissen: «Mein Lieblingsort in Cottbus ist das Energie-Stadion. Es ist wie ein Hexenkessel, in dem es blubbert,...
Diese Tonart, das wissen wir nicht erst seit Puccinis Musikdramen, sondern bereits aus den Zeiten Johann Sebastian Bachs, verheißt wenig Wohliges. H-moll, das klingt nach Abschied, nach Sorgenfurchen, nach Tod. Und wenn Franz Schubert das letzte Lied der «ersten Abteilung» seiner «Winterreise» in diese Tonart kleidet, dann ahnt auch der Wanderer, dass sein Weg wohl...
