Vokaler Hochsprung
Christophe Rousset was here!» Nicht, dass dieser Dirigent optisch an die Figur auf dem Kilroy-Graffito erinnern würde – eher lässt er an die Grimm’sche Fabel vom Hasen und dem Igel denken. Denn wer immer in der Landschaft der Alten Musik vermeintliches Niemandsland betritt, mag im Geiste das «Ich bin schon da» des Franzosen hören. Auf seine hochgelobte Aufnahme von Lullys «Atys» folgte nun beinahe stehenden Fußes (und passend zu den Olympischen Spielen in Paris) seine Lesart von Domenico Cimarosas «L’Olimpiade».
Indes geht es in der Oper nur äußerlich um die antiken Wettbewerbe von Olympia, sondern vielmehr um amouröse Wettkämpfe, deren Pikanterie sich aus den im Barock- (und Rokoko-)Theater üblichen Verwechslungen ergibt.
Cimarosas 1784 in Vicenza uraufgeführtes, danach jahrzehntelang in ganz Europa überaus populäres Bühnenwerk war übrigens nicht das einzige, dem Pietro Metastasios Libretto zu Grunde liegt. Auch Antonio Caldara und Antonio Vivaldi vertonten dessen Text zur «Olimpiade». Metastasios Geschichte wandelt auf den Spuren des Königs Clistene von Sikyon, der zum Regenten der Olympischen Spiele gewählt wurde. Im Mittelpunkt steht aber die den Gezeiten der Gefühle ...
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Opernwelt August 2024
Rubrik: CD, DVD, Buch, Seite 30
von Gerhard Persché
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