Zemlinsky: Der Kreidekreis
Als Zemlinsky seine Opernversion des Klabund’schen «Kreidekreises» 1933 in Zürich herausbrachte, fiel das Urteil der Zeitgenossen kontrovers aus. Des Komponisten «aparte Koloristen»-Sprache wurde zwar gerühmt, doch andere Stimmen warfen ihm Selbstverleugnung vor. Er habe sich stilistisch als Eklektiker demontiert. Und heute? In Bielefeld entdeckt man – dank Peter Kühn am Pult der transparent spielenden Bielefelder Philharmoniker – ein Bukett der Klangfarben, des Melos, der kleinteiligen Floskeln.
Diese Musik, spätromantisch grundiert, aber im Ryhthmischen oder in fahlen Disharmonien modern, fängt eine spezifische Sphäre ein. Diese ist hier fernöstlich geprägt, ohne sich asiatisch anzubiedern. Und da Kühn auch ein Gespür für (leicht) ironisches Verzerren besitzt, klingt Zemlinskys Musik über weite Strecken aufregend, zuweilen gar frech. Wiener Charme plus Puccini: Irgendwo dazwischen ist dieser «Kreidekreis» anzusiedeln.
Gregor Horres schält aus der Vorlage, die auch Bertolt Brecht benutzte, eine märchenhafte Parabel heraus. Er verlegt das Geschehen – zwei Frauen streiten um ein Kind – in eine anonyme Landschaft: Etwas wie Endzeit bietet sich an. Doch Horres hütet sich, Zemlinskys ...
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