Zemlinsky: Der Kreidekreis
Als Zemlinsky seine Opernversion des Klabund’schen «Kreidekreises» 1933 in Zürich herausbrachte, fiel das Urteil der Zeitgenossen kontrovers aus. Des Komponisten «aparte Koloristen»-Sprache wurde zwar gerühmt, doch andere Stimmen warfen ihm Selbstverleugnung vor. Er habe sich stilistisch als Eklektiker demontiert. Und heute? In Bielefeld entdeckt man – dank Peter Kühn am Pult der transparent spielenden Bielefelder Philharmoniker – ein Bukett der Klangfarben, des Melos, der kleinteiligen Floskeln.
Diese Musik, spätromantisch grundiert, aber im Ryhthmischen oder in fahlen Disharmonien modern, fängt eine spezifische Sphäre ein. Diese ist hier fernöstlich geprägt, ohne sich asiatisch anzubiedern. Und da Kühn auch ein Gespür für (leicht) ironisches Verzerren besitzt, klingt Zemlinskys Musik über weite Strecken aufregend, zuweilen gar frech. Wiener Charme plus Puccini: Irgendwo dazwischen ist dieser «Kreidekreis» anzusiedeln.
Gregor Horres schält aus der Vorlage, die auch Bertolt Brecht benutzte, eine märchenhafte Parabel heraus. Er verlegt das Geschehen – zwei Frauen streiten um ein Kind – in eine anonyme Landschaft: Etwas wie Endzeit bietet sich an. Doch Horres hütet sich, Zemlinskys ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Viel näher am Gelingen als am Scheitern: Auf diesen Nenner kann man die Kasseler Neuinszenierung von Leos Janáceks «Schicksal» («Osud») bringen. Durch einen eigentlich ganz einfachen Trick schafft es Gabriele Rech, mit dieser ersten Neuinszenierung auf deutschen Brettern seit fünfzehn Jahren einer dramaturgischen Klärung sehr nahe zu kommen. Dass dennoch Fragen...
Von einer Pendlerpauschale ist nichts bekannt. Weber ging den Weg zum Arbeitsplatz zu Fuß: fünfzehn Kilometer die Elbe abwärts. Ein kleiner, schmächtiger, lungenkranker, leicht hinkender junger Mann am Stock. Erst später leistete er sich einen Wagen, um von seinem Sommerwohnsitz Hosterwitz nach Dresden zu fahren, wo er das neugegründete deutsche Departement der...
Frau Pieczonka, Sie stammen aus Kanada. Ihr Name deutet eher auf Osteuropa.
Stimmt. Mein Vater ist gebürtiger Pole. Er ist 1938, also kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs, mit seiner Familie nach Kanada ausgewandert. Meine Mutter ist Kanadierin. Solche Verbindungen sind dort, ähnlich wie in den USA, ganz normal. Die kanadische Gesellschaft ist eine Gesellschaft...
