Mozart: Don Giovanni
Don Giovanni weigert sich zu bereuen. Das treibt ihn in den Untergang. Normalerweise. Nicht so in Regensburg, wo Angela Brandt ihn als alle Grenzen überschreitenden Libertin vorstellt. Viel von seiner erotischen Ausstrahlung bleibt dabei auf der Strecke. Eine Bestrafung würde hier ins Leere zielen; sie findet daher nicht statt. Beim Schlusssextett winkt Don Giovanni aus der Proszeniumsloge huldvoll ins Publikum: ein unsterblicher Mythos.
Die Jagd auf den Übeltäter und sein Untergang bleiben so der Musik überlassen: Das Philharmonische Orchester musizierte spannungsgeladen vom ersten bis zum letzten Ton unter der vorantreibenden Leitung von Raoul Grüneis, der auch vom Cembalo aus die Rezitative dramatisch durchgestaltete. Der stimmlich wie darstellerisch präsente Chor rundete den äußerst positiven musikalischen Eindruck des Abends ab.
Harald B. Thor hat auf der Drehbühne Räume geschaffen, die, von Hubert Goertz fantasievoll ausgeleuchtet, trotz kühler Abstraktion für jede Szene die entsprechende Atmosphäre schaffen konnten. Ein roter Außenring, der die schwarze Szenerie des inneren Kreises ummantelte, trug wesentlich zur szenischen Spannung bei. Die Kostüme von Tanja Hofmann ...
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In der Kunst, so schrieb Giuseppe Verdi an den die Partie des Falstaff studierenden Victor Maurel, «ist das Vorherrschen der reflektiven Tendenzen ein Zeichen von Dekadenz». Bei der Hamburger Inszenierung von «Simon Boccanegra» – verantwortet von Claus Guth und Christian Schmidt (Bühnenbild und Kostüme) – ist der Zuschauer gezwungen, lauter Regiereflexionen zu...
Schwierig, diese Mythen. Wollen uns Nachgeborenen immer gleich die ganze Welt erzählen, verschweigen, verwirren. Deuten an, damit wir, die Ausdeuter, deutlich werden können – so wir wollen. Denn natürlich kann man sich naiv stellen, einen Mythos einfach abbilden, sich dann in seiner Verwirrtheit zurücklehnen; sollen andere sich bemühen, sich kümmern, sollen sie...
Man muss genau zuhören an diesem Abend. René Jacobs, fast möchte man schon von einem Spätstil bei ihm reden, dirigiert Monteverdis «Poppea». Es sind knapp vier Stunden von minimalistischer Wirkung. Keinerlei grobe Affekte hat Jacobs der nur als Skelett überlieferten Partitur hinzuinstrumentiert. Die Farben bleiben gedämpft, aber in sich reich, der Ton leise, aber...
