Neue Stücke, neue Maestri
Kaum war im Herbst 2004 bekannt gegeben worden, dass Sony Classical Chef Peter Gelb die New Yorker Metropolitan Opera übernimmt, arbeitete die Gerüchteküche auf Hochtouren: Der neue General Manager werde das Heiligtum entweihen (riefen selbsternannte Tempelhüter), das Hohe Haus gar mit Musicals kommerzialisieren, um schnelle Dollars zu machen. Den Ausverkauf der Oper fürchteten die Puristen, die sich nichts Schöneres als den Status quo der Met denken können. Andere versprachen sich von der Berufung des Zweiundfünfzigjährigen eine Erneuerung und frischen Wind.
Jetzt hat Gelb, der in diesem Sommer sein Amt antritt, Pläne für die kommenden Spielzeiten vorgestellt. Eine Schlüsselrolle kommt dabei dem längst von jedem Opernhaus der Welt beschworenen und kaum konkret fassbaren «neuen, jungen Publikum» zu, das das seit dem 11. September 2001 unter schlechten Auslastungszahlen leidende Haus mit seinen fast viertausend Plätzen wieder füllen soll. Statistisch gesehen ist der durchschnittliche Met-Besucher um die sechzig Jahre alt und hat ein jährliches Einkommen von einhunderttausend Dollar. Ohne sein Stammpublikum zu vergraulen, will Gelb nun ein breiteres Spektrum an Stücken anbieten, ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Die Beschäftigung mit historischen Formen der Aufführungspraxis ist seit zweihundert Jahren Gegenstand zunächst der Theatergeschichtsschreibung und Theaterwissenschaft wie gleichzeitig ihrer musikalischen Pendants. Anders als ihren von Noten lebenden Schwestern fehlten der Theaterpraxis aber ein Gustav Leonhardt und Nikolaus Harnoncourt, die die Theorie allen...
Das Hotel Tiffany in Genf, ein eher unscheinbares, aber gemütliches Hotel, ist längst sein zweites Zuhause. Hier, zehn Gehminuten vom Grand Théâtre, der Genfer Oper, entfernt, habe ich mich mit Armin Jordan, dem faszinierendsten Schweizer Dirigenten, getroffen. Am Abend dirigiert er Wagners «Tristan». Die Aufführung wird zu einem denkwürdigen Erlebnis. Die...
Als Zemlinsky seine Opernversion des Klabund’schen «Kreidekreises» 1933 in Zürich herausbrachte, fiel das Urteil der Zeitgenossen kontrovers aus. Des Komponisten «aparte Koloristen»-Sprache wurde zwar gerühmt, doch andere Stimmen warfen ihm Selbstverleugnung vor. Er habe sich stilistisch als Eklektiker demontiert. Und heute? In Bielefeld entdeckt man – dank Peter...
