Zeitreise in die sardischee Antike

Die Oper von Cagliari setzt mit «Œdipe» von George Enescu ihre erfolgreiche Raritätenstrategie fort

Opernwelt - Logo

Wie sich die Zeiten geändert haben! Heutzutage geben viel versprechende junge Komponisten das Notenschreiben auf. Und werden Dirigenten, wie Giuseppe Sinopoli. Vor hundert Jahren ging das rumänische Geigenwunderkind ­George Enescu den umgekehrten Weg. 1893, mit zwölf, macht er in Wien sein Diplom und beginnt dann in Paris auch Komposition zu studieren, zuerst bei Massenet, dann bei Fauré. «Erst» mit fünfzehn tritt er als Komponist hervor und widmet sich zeitlebens dieser brot­losen Kunst, wiewohl bereits als Violinvirtuose berühmt und geschätzt.


Enescu hängt noch heute der Ruf des rumänischen Folkloresymphonikers an, weil er immer wieder Volksmusik seiner Heimat verarbeitete. Dabei war er in Paris bes­tens mit den Arbeiten der Zeitgenossen, etwa Strawinsky und Bartók, vertraut. Letzterer spielte 1924 zusammen mit Enescu die Uraufführung seiner zweiten Violinsonate. All das schlug sich schichtweise in der Arbeit an Enescus ers­ter und einziger Oper nieder: Der Ödipus-Stoff fasziniert ihn sein Leben lang. 1909 beginnt er mit der Kom­posi­tion des «Œdipe» auf einen Text des Belgiers Edmond Fleg nach den Sophok­les-Dramen «König Ödipus» und «Ödipus auf Kolonos». Nach mehr als ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt März 2005
Rubrik: Im Focus, Seite 14
von Dietmar Polaczek

Vergriffen
Weitere Beiträge
Hommage an eine gefährdete Kunst

Als der chinesische Schauspieler, Sänger, Tänzer und Regisseur Chen Shi-Zheng vor sechs Jahren am New Yorker Lincoln Center die vier Jahrhunderte alte Oper «Der Päonien-Pavillon» auf die Bühne brachte, ein ursprünglich fünf­undfünfzig (!) Akte umfassendes Werk des chinesischen Monteverdi-Zeitgenossen Tang Xianzu (1550-1616), kam dies in der westlichen Musikwelt...

Schmackhafte Pastetchen

Nino Rota (1911-1979) war ­einer der fruchtbarsten und erfolgreichsten Filmkomponis­ten seiner Zeit. Seine Musik für zahlreiche Filme von Fellini, Visconti, Zeffirelli, Clement sowie für Coppolas «Der Pate» kann gro­ßenteils auch außerhalb der Leinwand bestehen. Doch daneben hat der Schüler von Pizzetti und Casella auch etliche Sympho­nien, Konzerte und Opern...

Der Befreier Tod

Lauter Applaus nach einer eindringlichen «Rigoletto»-Premiere. Der Beifall galt vorerst den Sängern – hier und da etwas unkritisch, muss man anmerken. Einer wunderbar innigen und zugleich brillant höhensicheren, in ihrer kindlichen Unerfahrenheit und Verletzlichkeit über­aus glaubwürdigen Jutta Böhnert als Gilda stand Hector Sandoval als Herzog gegenüber, der mit...