Zweibahnstraße
Man muss es nicht so drastisch formulieren wie Gerard Mortier. Der Intendant in Brüssel, Salzburg und jetzt in Paris sah sich und seine Kollegen als Täter: «Jahrelang haben wir so genannten Opernintendanten wie die Vampire frisches Lebensblut gesogen aus der Film- und Schauspielregie.» Nicht immer brachten diese Blutübertragungen den erhofften (Über-)Lebenssaft, aber doch oft einen belebenden Schub. Allerdings hält sich die künstlerische Auffrischung eher in Grenzen. Die meisten Filmregisseure verhalten sich im ungewohnten Genre erstaunlich demütig gegenüber dem Werk.
Und filmische Mittel werden eher selten – und noch seltener geglückt – eingesetzt. In jedem Fall bringt der Prominenzfaktor des Filmregisseurs den Opernhäusern zusätzliche Aufmerksamkeit. Dieser hoch willkommene Nebeneffekt verhalf schon vor zwei, drei Jahrzehnten Filmregisseuren wie John Schlesinger oder Otto Preminger zu Opernehren. Wenn allerdings die Oper von Los Angeles gern vom Vorort Hollywood profitiert, dann hat sie dabei nicht nur Filmemacher wie William Friedkin oder Altstar Maximilian Schell im Auge, sondern auch die Geldbörsen betuchter Film-Tycoons, die als Sponsoren verpflichtet werden sollen. Für den ...
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Jörg Widmann freut sich darüber, dass der Münchner Uraufführung vor anderthalb Jahren relativ schnell eine zweite Inszenierung von «Das Gesicht im Spiegel» folgt. Außerdem muss nicht wie im Cuvilliés-Theater gegen eine trockene Akustik angekämpft werden, so dass viele Details der Partitur besser zur Geltung kommen – wichtig bei einem so klangorientierten...
Die Musikgeschichte hält Schubladen bereit, meist für Künstler, die sich auf einem Gebiet besonders profiliert haben. Das ist bequem. Offenbach etwa steckt in der Operetten-Schublade. Und Johann Mattheson – war der überhaupt Komponist? – klemmt im Musikschriftsteller-Fach. Manch Aufschlussreiches erfährt man über das Musikleben im 18. Jahrhundert bei ihm....
Ihr sängerisches Alptraumerlebnis hatte Ira Malaniuk 1951 in Bayreuth. Natürlich nicht als Magdalene in den «Meistersingern», für die sie von Wieland Wagner engagiert worden war und auf die sie sich bestens vorbereitet hatte. Sondern mit der «Rheingold»-Fricka, die zwar nicht zu ihrem Repertoire gehörte, die aber als Cover-Partie im Kleingedruckten ihres Vertrages...
