Vor Sonnenuntergang

Die Ersteinspielunug von Ottorino Respighis Oper «La Campana sommersa» nach Gerhart Hauptmann

Opernwelt - Logo

«Fünftklassig» – so wurde Ottorino Respighi durch seinen Enkelschüler György Ligeti eingestuft. Es darf bezweifelt werden, ob Ligetis stupendes musikhistorisches Bewusstsein hier mehr als nur die römische Orchestertrilogie parat hatte. Denn angesichts der jetzt erstmals ein­gespielten Oper «La Campana sommersa» (1923-1927) bedarf das gängige Respighi-Bild dringend einer General­überholung – dem engagierten Orchestre National de Montpellier und Friedemann Layer sei's gedankt.


Da wäre zunächst die Faschismus-Keule aus der Hand zu legen, die gegen den Monumentalismus des Wahl-Römers immer wieder geschwungen wird. Der politisch unbedarfte Respighi ließ sich zwar von Mussolini (ungebeten!) feiern, wahrte zum Regime sonst aber Distanz – im Gegensatz zu manch anderen. Immerhin hatte er in dem glühenden Antifaschisten Toscanini einen bedeutenden Interpreten. Dass sein Werk andererseits instrumentalisiert werden konnte, ist anhand der stellenweisen Sonnen- und Tatkraftmystik dieser Oper zu vermuten. Gerhart Hauptmann, der das zugrunde liegende Stück «Die versunkene Glocke» geschrieben hatte, durfte nicht zuletzt zwischen 1933 und 1945 den Dichterfürsten spielen.
Allerdings hat Hauptmanns ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt März 2005
Rubrik: Platten, Seite 54
von Olaf Wilhelmer

Vergriffen
Weitere Beiträge
Geometrie des Schreckens

Eigentlich müssten die dunklen, ungreifbaren Ängste der Mélisande und ihres Schwagers Pelléas in Palermo, wo die ungreifbare Mafia herrscht, auf eine gewisse Seelenverwandtschaft treffen: Nichts ist gewiss, aber alle wissen es. Gewiss ist nur, dass der derzeit mächtigs­te Boss Bernardo Provenzano seit mehr als vierzig (!) Jahren unauffindbar ist, obwohl er in...

Oper contra Film

Joseph Merrick, den Elefantenmenschen, hat es gegen Ende des 19. Jahrhunderts wirklich gegeben. Er litt an einer genetisch bedingten Nervenkrankheit, die sein Äußeres derartig entstellte, dass er seinen Le­bens­unterhalt in den seinerzeit sehr popu­lären Freakshows verdienen musste. Mit siebenundzwanzig Jahren ist er, wahrscheinlich aus freien Stü­cken, gestorben....

Tschaikowsky: Pique Dame

Eine Gruppe Touristen huscht an den Männern in grellem Orange vorbei. Von wegen Sonntagsspaziergang, hier wird gearbeitet! Kräne zerlegen die Standbilder vergangener Epochen, was früher war, interessiert heute keinen mehr, weg damit, nur das Neue zählt. So läuft das in Putins Russland. Sagt Regisseur Vilppu Kiljunen. Die Neureichen wickeln ihre Immobiliengeschäfte...