Zeichengeberkunde
Glitzerpianisten, Violinwunder, Vokalartisten hin oder her – im Klassikbetrieb steht der Dirigent an der Hierarchiespitze: qua Aura, Bandbreite und sozialer Sonderrolle. Er ist der solitäre Lenker, ihm müssen Musiker folgen, egal, ob er kühl-autoritär auftritt wie Lorin Maazel oder sich demokratisch gesinnt gibt wie Claudio Abbado. Seine gestisch zwar sichtbare, materiell trotzdem unsichtbar bleibende Leistung zu benennen, zu analysieren und einzuordnen, ist ebenso fesselnd wie herausfordernd.
Texte und Bücher über Dirigenten gibt es, seit der Beruf sich mit Musikerpersönlichkeiten wie Spohr, Habeneck, Mendelssohn, Berlioz, Wagner professionalisierte. Heute machen leicht zugängliche Ton- und Bildaufzeichnungen das Urteil von Kritik und Musikwissenschaft überprüfbar. Genau das ist der Ansatz für das «Handbuch Dirigenten» mit 250 kurzen Porträts. Der Leser wird eingeladen, die «eigenen Sach- und Werturteile» an den Artikeln zu messen – und die wiederum an den Tonzeugnissen. 16 Autoren sind neben den Herausgebern Julian Caskel und Hartmut Hein beteiligt, doch diese beiden schultern die Hauptlast: Caskel verantwortet 99 Artikel, davon acht als Ko-Autor, Hein 29, davon drei als ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Januar 2016
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 33
von Götz Thieme
Zwei Grundfragen machen in Drama, Musik, Roman und Film zu schaffen: wie anfangen, wie enden? Wobei Komponisten nicht selten der Beginn leichter fällt als der Schluss, das Fragmentproblem sich als Sonderfall erweist. Bei Wagner gar gehen Lösung und Erlösung Hand in Hand, die Schwierigkeiten sind komplementär. So ist es kein Zufall, dass er gerade an den ersten...
Während der Ouvertüre zu Wagners «Fliegendem Holländer» erregt zunächst – da wir ziemlich nahe am Orchestergraben sitzen – einer der Kontrabassisten der Musiciens du Louvre unsere Aufmerksamkeit. Der Mann gibt offenbar sein Leben für die Dämonen dieser Musik, lässt den Bogen mit enormem Körpereinsatz über die Saiten tanzen. Spannend. Oben auf der Bühne erscheint...
Der Mensch liebt es anscheinend, sich zu schinden. Etwa jeden Oktober auf der Hauptinsel von Hawaii beim «Ironman» – 3,86 km Schwimmen, 180 km auf dem Rad sowie die traditionelle Marathon-Distanz von 42,2 Kilometern (die «Eisenmänner» der letzten beide Jahre waren übrigens Deutsche). Ob es Barrie Kosky 2012 mit dem Monteverdi-Triathlon zu Beginn seiner Ära an der...
