Zarte Andeutungen
Just am Morgen der Premiere wird die Vertragsverlängerung des Intendanten bekanntgegeben: Aviel Cahn, der seit der Saison 2019/ 20 das Grand Théâtre de Genève leitet, wird bis 2029 im Amt bleiben. Dieser Vertrauensvorschuss erlaubt dem Schweizer neben seiner Politik der beherzten Öffnung des Hauses nicht zuletzt, seine programmatischen Linien fortzuspinnen, etwa jene einer Serie russischer Meisterwerke oder auch jene Tudor-Trilogie, die jetzt mit Donizettis «Anna Bolena» begann und in den Folgespielzeiten mit «Maria Stuarda» und «Roberto Devereux» fortgesetzt wird.
Das Konzept ist nicht nur Bekenntnis zum Belcanto, es ist dramaturgisch durchdrungen: Der dreifache Donizetti wird von einem Regieteam verantwortet, die Hauptpartien werden denselben Sängerinnen und Sängern anvertraut. Somit stand schon zum Auftakt der Trilogie die prophetische «Ring»-Frage im Raum: «Weißt du, wie das wird?»
Die erste verblüffende Erkenntnis ist eine musikalische: Donizettis Musik ist mehr als Sängertheater. Stefano Montanari arbeitet mit dem Orchestre de la Suisse Romande in einer Art modellierendem Dirigierstil eine artikulierte Phrasierungskunst heraus und macht Erstaunliches hörbar: In der ...
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Opernwelt Dezember 2021
Rubrik: Panorama, Seite 50
von Peter Krause
Einem für alle – alle für Einem»: mit diesem Sprüchlein geißelte ein Kritiker vor 50 Jahren die eingängige Zwölftonferne, der sich angeblich die sensationellen Nachkriegserfolge des österreichischen Komponisten verdankten. Das traf den Nagel irgendwie auf den Kopf, nur drang er leider gleich so weit ins Gehirn der Öffentlichkeit, dass Gottfried von Einem auf Dauer...
Dafür, dass der Titel des neuen Stücks – «Die Mühle von Saint Pain» (englische Aussprache) – eher Leid und Schmerzen argwöhnen lässt, fängt es gar nicht so düster an im Theater Basel. Der Zuschauerraum bleibt erleuchtet. Und die fünf Figuren, die der Reihe nach erscheinen, führen derart sarkastisch-bissige Dialoge miteinander, dass man meinen könnte, eine Autorin...
New York im Licht: Nach 18 Monaten der Stille öffnete die Metropolitan Opera wieder ihre Pforten – mit einer bewegenden Aufführung von Verdis «Requiem» unter der Leitung von Yannick Nézet-Séguin. Den Anlass bildete der 20. Jahrestag der Anschläge auf das World Trade Center. Der gemeinsam mit dem 9/11 Tribute Museum initiierte Abend wurde live vor dem Opernhaus und...
