Loblied auf die Liebe
Die Verwirrungen der Liebe, sie sind enorm in diesem Stück. Doch der moralische Kommentar der Autoren bleibt aus. Nur der kleine Satyr kommentiert das Geschehen mit verschmitzter Außensicht: «Pazzi quei, ch’in Amor credono». Sind nicht all jene, die Amor vertrauen, Verrückte? Vermutlich schon. Und insbesondere die Frauen bekommen ihr Fett ab. «Così fan tutte» wird vorweggenommen, die Figur des Satirino zum Modell für Despina.
Erstaunliche 139 Jahre vor Da Pontes und Mozarts «Schule der Liebenden» schicken Giovanni Faustini und Francesco Cavalli ihr Publikum in die sexuelle Nachhilfestunde und singen ihr Loblied auf die Liebe, den Hedonismus und auf die Sprengung aller gesellschaftlichen Sittengrenzen. Möglich machte all das der libertinäre Geist im Venedig von 1651 – und bescherte der Musikwelt das Wunderwerk eines künstlerischen Traumpaares. Die herrlichen, sich munter reimenden Verse von Faustinis Librettos haben so gar nichts barocktypisch Verschwurbeltes, sie kommen direkt zur Sache und sind Grundlage für Cavallis variable Komposition mit ihren Wechselbädern aus Recitar cantando, Arien, Duetten, volksnahen Liedern und Tänzen.
Erstaunlich nur, dass die Premiere am ersten Haus ...
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Opernwelt Dezember 2021
Rubrik: Panorama, Seite 53
von Peter Krause
JUBILARE
Eric Halfvarson debütierte 1973 als Basilio in Rossinis «Il barbiere di Siviglia» im Rahmen der Lake George Opera Tour (der heutigen Opera Saratoga). Von da aus führte ihn sein Weg zunächst ans – von ihm mitbegründete – Opernstudio der Houston Grand Opera, auf deren Bühne der Bass bereits in kleineren Partien auf sich aufmerksam machte. In den...
Englische Puritaner sollen einst auf Jahrmärkten der Bären «Tanzen» auf glühenden Eisen verboten haben: nicht aus Mitleid mit den Tieren, sondern weil sich die Leute nicht amüsieren sollten. Robert Wilson erzählte einmal analog, dass strenggläubige Südstaatler es triftig fanden, dass Abraham Lincoln in einem Theater erschossen wurde: Ort der Lustbarkeit und Sünde,...
Die Mitteilung lässt es an Deutlichkeit nicht mangeln. «Soffro». Ich leide, so sagt es unumwunden das literarische Alter Ego von Ada Negri in ihrem Gedicht «Nebbie», das vielleicht in Vergessenheit geraten wäre, hätte nicht Ottorino Respighi eine Musik dazu geschrieben, die uns noch heute unter die Haut geht. Zumal dann, wenn sich ein so begnadeter Textausdeuter...
