Dichterliebe

Johannes Erath und Constantin Trinks bringen im StaatenHaus der Oper Köln Kaija Saariahos Wunderwerk «L’amour de loin» heraus

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Das Glück ist eine zarte Pflanze. Fragil ist es, stetig in Gefahr, geknickt zu werden und denjenigen, der es gerade noch in Händen zu halten glaubte, in die Verzweiflung zu treiben. Und wenn einer weiß, wie sich das anfühlt (und wie man davon in leidenschaftlichsten Tönen singt), dann ist es Jaufré Rudel, jener sagenhafte Troubadour, dem die Frauen hundertfach zu Füßen lagen, weil sie seinen orpheischen Gesängen verfallen waren, der nun aber fühlt, wie sich eine tiefe, unergründliche Melancholie seiner Seele bemächtigt.

«Vom Glück zu sprechen, habe ich gelernt, glücklich zu sein, aber habe ich nicht gelernt.»

Kaija Saariahos magisches Musiktheater «L’amour de loin», ihr erstes Werk der Gattung, das seine Uraufführung im Jahr 2000 bei den Salzburger Festspielen in Peter Sellars’ poetisch verdichteter Inszenierung erlebte, beschreibt diesen Zustand des Unglücks (und den Versuch, ihn irgendwie zu überwinden) mehr als zwei Stunden lang mit Klängen, die sich tief ins Innere einbrennen. Von dieser Musik geht, zumal wenn sie so wunderbar differenziert, so farbintensiv, so sinnlich gestaltet wird wie vom Gürzenich-Orchester Köln unter der Leitung von Constantin Trinks, ein nachgerade ...

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Opernwelt Dezember 2021
Rubrik: Im Focus, Seite 12
von Jürgen Otten

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