Dichterliebe
Das Glück ist eine zarte Pflanze. Fragil ist es, stetig in Gefahr, geknickt zu werden und denjenigen, der es gerade noch in Händen zu halten glaubte, in die Verzweiflung zu treiben. Und wenn einer weiß, wie sich das anfühlt (und wie man davon in leidenschaftlichsten Tönen singt), dann ist es Jaufré Rudel, jener sagenhafte Troubadour, dem die Frauen hundertfach zu Füßen lagen, weil sie seinen orpheischen Gesängen verfallen waren, der nun aber fühlt, wie sich eine tiefe, unergründliche Melancholie seiner Seele bemächtigt.
«Vom Glück zu sprechen, habe ich gelernt, glücklich zu sein, aber habe ich nicht gelernt.»
Kaija Saariahos magisches Musiktheater «L’amour de loin», ihr erstes Werk der Gattung, das seine Uraufführung im Jahr 2000 bei den Salzburger Festspielen in Peter Sellars’ poetisch verdichteter Inszenierung erlebte, beschreibt diesen Zustand des Unglücks (und den Versuch, ihn irgendwie zu überwinden) mehr als zwei Stunden lang mit Klängen, die sich tief ins Innere einbrennen. Von dieser Musik geht, zumal wenn sie so wunderbar differenziert, so farbintensiv, so sinnlich gestaltet wird wie vom Gürzenich-Orchester Köln unter der Leitung von Constantin Trinks, ein nachgerade ...
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Opernwelt Dezember 2021
Rubrik: Im Focus, Seite 12
von Jürgen Otten
New York im Licht: Nach 18 Monaten der Stille öffnete die Metropolitan Opera wieder ihre Pforten – mit einer bewegenden Aufführung von Verdis «Requiem» unter der Leitung von Yannick Nézet-Séguin. Den Anlass bildete der 20. Jahrestag der Anschläge auf das World Trade Center. Der gemeinsam mit dem 9/11 Tribute Museum initiierte Abend wurde live vor dem Opernhaus und...
Überbeschäftigt?
Zuletzt sahen wir von Regisseur Johannes Erath Gounods «Faust» und Saariahos «L'Amour de loin» in Köln sowie Verdis «La traviata» in Hamburg und Mozarts «Le nozze di Figaro» in Dresden. Doch: Lebt es sich als viel gefragter Künstler gut «aus dem Koffer»? Und wie martert man sich wirklich treffende Regie-Ideen entlang der Stoffe mehrmals im Jahr aus...
Der Neue sei da, verkündet das Opernhaus Zürich auf seinen Plakaten: der neue Generalmusikdirektor. Die Fanfaren haben ihre Berechtigung, Gianandrea Noseda hat einen fulminanten Start hingelegt – mit Giuseppe Verdis »Trovatore«, einem Stück aus seinem Kernrepertoire. Schön laut klingt es an diesem Abend, nämlich laut und schön. Verdi wird oft, und zwar vokal wie...
