Zartbittersüßes Pralinen
Am Ende kratzte man sich den Kopf. Sicher, das kann bei Uraufführungen schon mal vorkommen. Aber es ist doch eine Seltenheit, dass immer auch das Gegenteil dessen zumindest nicht ganz falsch ist, was man zugunsten einer Aufführung sagen oder als Kritik an ihr einwenden möchte. Dieser Abend war gute drei Stunden lang lähmend und erfrischend, locker und verkrampft, fremdschamerregend und sympathisch, arg verblödelt und viel zu ernst. Nicht alles zugleich, aber immer wieder, in raschem oder auch schleppendem Wechsel.
Das ganze Leben also?
Wobei das mit der Uraufführung nicht ganz stimmt – und schon müssen ausschweifende Erklärungen losgehen. Richtig ist, dass Salieris «Cublai, gran kan de’ Tartari» 1788 in Wien über die Bühne hätte gehen sollen. Darin arrangiert der Mongolenherrscher Kublai Khan eine politisch motivierte Ehe zwischen seinem Sohn Lipi und der bengalischen Prinzessin Alzima. Das winzige Problem ist nur, dass Alzima und Kublais Neffe Timur einander lieben, während Lipi unter Einfluss seines intriganten Erziehers Posega zu allem herangewachsen ist, nur nicht zu einem geeigneten Thronfolger.
Macht aber nichts. Denn letztlich diente der mongolische Hof Salieri und seinem ...
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Opernwelt Mai 2024
Rubrik: Magazin, Seite 48
von Walter Weidringer
Rodion Schtschedrins erstes Bühnenwerk «Nicht nur Liebe» markierte 1961, zu Zeiten der relativen Entspannung durch Chruschtschows Politik, eine bedeutende Wende in der sowjetischen Oper. Das stilistisch innovative Werk, ein postmodernistisches Zusammenspiel aus verschärfter Rhythmik à la Strawinsky und vertiefter Dramatisierung à la Mussorgski, zog sofort große...
Marc-Antoine Charpentier, der große Konkurrent Jean-Baptiste Lullys und bedeutendste Kirchenkomponist des französischen Barock, ist hierzulande nach wie vor ein Geheimtipp. Lullys Alleinherrschaft über die Pariser Académie royale de musique verwehrte ihm die Opernbühne und überließ ihm nur den Nebenschauplatz der Bühnenmusik zu Molières Theaterstücken. Sein...
Vor acht Jahren ging die erste Ausgabe des Opera Forward Festivals in Amsterdam an den Start. Die Welt war noch eine andere, damals sorgte man sich «nur» um einen Rechtsruck in der Politik und wählte für dieses Format bewusst einen Titel, der abgekürzt «OFF» lautet – Verweis auf die freie Szene, die man so ermuntern und einbeziehen wollte. Das ans Amsterdamer...
