Zartbittersüßes Pralinen
Am Ende kratzte man sich den Kopf. Sicher, das kann bei Uraufführungen schon mal vorkommen. Aber es ist doch eine Seltenheit, dass immer auch das Gegenteil dessen zumindest nicht ganz falsch ist, was man zugunsten einer Aufführung sagen oder als Kritik an ihr einwenden möchte. Dieser Abend war gute drei Stunden lang lähmend und erfrischend, locker und verkrampft, fremdschamerregend und sympathisch, arg verblödelt und viel zu ernst. Nicht alles zugleich, aber immer wieder, in raschem oder auch schleppendem Wechsel.
Das ganze Leben also?
Wobei das mit der Uraufführung nicht ganz stimmt – und schon müssen ausschweifende Erklärungen losgehen. Richtig ist, dass Salieris «Cublai, gran kan de’ Tartari» 1788 in Wien über die Bühne hätte gehen sollen. Darin arrangiert der Mongolenherrscher Kublai Khan eine politisch motivierte Ehe zwischen seinem Sohn Lipi und der bengalischen Prinzessin Alzima. Das winzige Problem ist nur, dass Alzima und Kublais Neffe Timur einander lieben, während Lipi unter Einfluss seines intriganten Erziehers Posega zu allem herangewachsen ist, nur nicht zu einem geeigneten Thronfolger.
Macht aber nichts. Denn letztlich diente der mongolische Hof Salieri und seinem ...
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Opernwelt Mai 2024
Rubrik: Magazin, Seite 48
von Walter Weidringer
Man liest es und staunt. «Österreichische Erstaufführung». 90 Jahre hat es gedauert, bis man in jenem Land, das sich die Nazis 1938 per «Anschluss» einverleibten und aus dessen Reihen immerhin jener Dämon stammte, der für den Tod von mehr als 60 Millionen Menschen verantwortlich zeichnet, auf die Idee kam, ein Musiktheater zu programmieren, das zwei Jahre nach der...
Manchmal sind Nudeln mit Tomatensauce die Lösung. Das Stück ist vorbei, aber der Abend geht im Foyer des Aalto Musiktheater Essen weiter: Ein Jazz-Trio spielt Arrangements der Oper «L’amant anonyme», Darstellerinnen und Darsteller in voller Perückenpracht schwitzen mit in der Menge, und Schaulustige beklatschen die Tänzerinnen und Tänzer auf der Treppe. Es gibt...
Was habe ich nur verbrochen, dass ich so viel leiden muss!» Dieser Stoßseufzer Smetanas, bei deutschen Theaterbesuchern längst ein geflügeltes Wort, ist in tschechischen Opernhäusern undenkbar. Prag, Olmütz und Brünn, Pilsen und Aussig inszenieren publikumsfreundlich, die Dramaturgie wird den Stücken gerecht, Bühne und Kostüme ergeben Sinn und bereiten sogar...
