Zärtlichkeit und Überschwang

Alessandro de Marchis maßstabsetzendes Plädoyer für Pergolesis «Olimpiade»

Bei seinem Debüt als Leiter der Innsbrucker Festwochen bewies Alessandro de Marchi eine glückliche Hand: Mit Pergolesis «L’Olimpiade» hatte sich der Nachfolger von René Jacobs nicht nur ein Schlüsselwerk für die Entwicklung der Opera seria ausgesucht, sondern auch durch eine musikalisch überragende Aufführung Pergolesi wieder seinen Platz in der ersten Reihe der barocken Opernkomponisten verschafft (siehe OW 11/2010).

Dass der Mitschnitt der Innsbrucker Aufführungen jetzt auf CD vorliegt, sichert de Marchis Großtat hoffentlich nachhaltige Wirkung, bestätigt sie doch den Ausnahmerang des Stücks. Denn mit der «Olimpiade» hatte Pergolesi einen neuen Tonfall angeschlagen: Schon bald nach der Uraufführung 1735 verbreiteten sich Arien wie «Se cerca, se dice» und «Mentre dormi amor fomenti» als Muster des empfindsamen Stils in ganz Europa und sicherten dem Komponisten einen bis weit ins 19. Jahrhundert reichenden Nachruhm. In ihrer Mischung aus Zärtlichkeit und Überschwang, die selbst den heroischen Posen noch Zerbrechlichkeit verleiht, unterscheiden sich Pergolesis Helden tatsächlich grundlegend von denen Händels und Vivaldis.

Mit dem Freundespaar Megacle und Licida etabliert Pergolesi ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juli 2011
Rubrik: Medien/CD, Seite 30
von Jörg Königsdorf

Weitere Beiträge
Szenische Leerstellen, musikalisch erfüllt

Obwohl 1877 in Weimar und nicht in Frankreich uraufgeführt, ist «Samson und Dalila» hierzulande nie wirklich ein Repertoire-Stück geworden. An der Charlottenburger Oper wurde es 1929 unter Leo Blechs Leitung erstmals gespielt, im Haus an der Bismarckstraße dann erst wieder 60 Jahre später. In jüngster Zeit gab es in Köln, in Antwerpen und zuletzt in Nürnberg...

Der Krieg ist nicht vorbei

Das Ende des Trojanischen Krieges liegt schon einige Jahre zurück. Idomeneo, König von Kreta, hat längst abgedankt, Sohn Idamante hat die Geschäfte übernommen und mit Ilia einen hübschen Knaben gezeugt. Der glückliche Ausgang von Mozarts Musikdrama legt eine solche Fortsetzung nahe. Alles hat sich zum Besten entwickelt: Frieden zwischen den Völkern, Liebe unter den...

Noblesse und Sorgfalt

Vor 30 Jahren ist der Organist, Cembalist und Dirigent Karl Richter gestorben, im Oktober wäre er 85 Jahre alt geworden. Auch wenn sich die Klangvorstellungen von Barockmusik seit Richters Zeiten fundamental geändert haben: Seine Verdienste sind unbestritten, und es gibt nicht wenige Hörer, die seinem subjektiv zupackenden, aus der Tradition von Günther Ramin und...