Wurzelbehandlung

Die Opéra de Lyon versucht, Offenbachs Märchenrevue «Le Roi Carotte» zu retten – in der gekürzten Originalfassung und bunt kostümierten Regie von Laurent Pelly

Opernwelt - Logo

Sie ist die vergnügungssüchtige Schwester der Grand Opéra: die féerie. Um 1810 kamen die pompösen Märchenspektakel in Mode, eine letzte Blüte erlebte das Genre zu Beginn der politisch bewegten 1870er-Jahre, als sich das französische Publikum nur zu gern in bunte Traumwelten flüchtete. Die féerie setzt vor allem auf optische Reize und die Tricks der Bühnenmaschinerie, locker gefügte Handlungen werden durch einen Wettstreit zwischen guten und bösen Geistern bestimmt, die sich mit ihren Zauberkünsten gegenseitig überbieten.

Auch Jacques Offenbachs «Le Roi Carotte» funktioniert weitgehend nach diesem Schema – obwohl er das 1872 uraufgeführte Opus «opéra-bouffe féerie» nennt und damit anzeigen will, dass er die Qualitäten seiner großen Sozialsatiren mit dem Glanz des Unterhaltungsgenres verbinden will.

Weil der Komponist zudem bei «Le Roi Carotte» mit dem damals hoch geschätzten (heute nur noch als Autor der «Tosca»-Vorlage bekannten) Schriftsteller Victorien Sardou zusammenarbeitet, sind die Erwartungen hoch gesteckt: Die Pariser Uraufführung findet Anklang, wandert als Tourneeproduktion nach London, New York und Wien – andere Theater aber scheuen den enormen Aufwand, so dass die ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Februar 2016
Rubrik: Magazin, Seite 72
von Frederik Hanssen

Weitere Beiträge
Tratsch und Tod

Ein Dorf in Süditalien haben Bühnenbildner Paolo Fantin und Regisseur Damiano Michieletto für Mascagnis «Cavalleria rusticana» und Leoncavallos «Pagliacci» an Covent Garden skizziert. Keinen Postkartenort, sondern eine schmuddelige Siedlung in einer wirtschaftlich maroden Gegend, mit Satellitenschüsseln als Fassadenschmuck und bröckelndem Putz. Man ahnt, wie sich...

Editorial

«Was zählt, ist die Transgression, die Überschreitung. Man muss immer weiter gehen», sagte Pierre Boulez 2003 im «Opernwelt»-Gespräch. Damals war er noch beinahe alterslos, strotzte vor Elan. Als wir ihn zehn Jahre später in Luzern wiedertrafen, ahnten wir, dass die Kräfte zu schwinden drohten – geistig wirkte er hellwach, doch körperlich geschwächt. Am 5. Januar...

Exemplarisch

Erst 1999, mehr als drei Jahrzehnte nach ihrer Uraufführung, fand Astor Piazzollas «María de Buenos Aires» den Weg auf eine deutsche Bühne. Katja Czellniks Kieler Inszenierung (siehe OW 12/1999) galt als durchaus exemplarisch. Diesen Rang dürfte ihr die von Andreas Kriegenburg verantwortete Bremer Produktion des Werks nun streitig machen. Denn sie hat, was...