Tratsch und Tod
Ein Dorf in Süditalien haben Bühnenbildner Paolo Fantin und Regisseur Damiano Michieletto für Mascagnis «Cavalleria rusticana» und Leoncavallos «Pagliacci» an Covent Garden skizziert. Keinen Postkartenort, sondern eine schmuddelige Siedlung in einer wirtschaftlich maroden Gegend, mit Satellitenschüsseln als Fassadenschmuck und bröckelndem Putz. Man ahnt, wie sich in den Gassen die Hitze staut, wie Abwassergeruch die Luft verdickt.
Dass die Bewohner die Abende draußen verbringen, mit Tratsch und Kirchenkram, und dass jeder hier vom Nachbarn alles weiß: Kein Wunder, dass Turiddu die Affäre mit der verheirateten Lola vor seiner Ex Santuzza nicht verbergen kann.
Mamma Lucia unterhält mit Turiddu eine Bäckerei, unterstützt von weiteren Clanmitgliedern (eine Anspielung auf Mascagnis Herkunft). Cousin Silvio schaufelt fleißig Laibe in den Ofen – und verknallt sich in Nedda, die schon mal Plakate klebt für die «Pagliacci»-Show in der Dorfschul-Aula. Zu den Klängen des «Cavalleria»-Intermezzos küsst er sie zum ersten Mal: So verknüpft Michieletto die beiden Kurzopern. Und im «Pagliacci»-Zwischenspiel wiederum begegnen wir noch einmal Santuzza, die schluchzend ihrem Priester beichtet und nun ...
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Opernwelt Februar 2016
Rubrik: Panorama, Seite 40
von Wiebke Roloff
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Die schwebende Kantilene des Vorspiels, mit der Verdi Liebe und Tod der Violetta auf den Plan ruft, lässt Daniel Barenboim von den vierfach geteilten Streichern fein schattiert auftragen. Und er fügt den Phrasen eine Emphase des Seelischen hinzu: So nachdrücklich im An- und Abschwellen der Töne hört man das Preludio selten. Auf der Bühne begibt sich währenddessen...
