Tratsch und Tod

Mascagni: Cavalleria rusticana Leoncavallo: I pagliacci London / Royal Opera House

Opernwelt - Logo

Ein Dorf in Süditalien haben Bühnenbildner Paolo Fantin und Regisseur Damiano Michieletto für Mascagnis «Cavalleria rusticana» und Leoncavallos «Pagliacci» an Covent Garden skizziert. Keinen Postkartenort, sondern eine schmuddelige Siedlung in einer wirtschaftlich maroden Gegend, mit Satellitenschüsseln als Fassadenschmuck und bröckelndem Putz. Man ahnt, wie sich in den Gassen die Hitze staut, wie Abwassergeruch die Luft verdickt.

Dass die Bewohner die Abende draußen verbringen, mit Tratsch und Kirchenkram, und dass jeder hier vom Nachbarn alles weiß: Kein Wunder, dass Turiddu die Affäre mit der verheirateten Lola vor seiner Ex Santuzza nicht verbergen kann.

Mamma Lucia unterhält mit Turiddu eine Bäckerei, unterstützt von weiteren Clanmitgliedern (eine Anspielung auf Mascagnis Herkunft). Cousin Silvio schaufelt fleißig Laibe in den Ofen – und verknallt sich in Nedda, die schon mal Plakate klebt für die «Pagliacci»-Show in der Dorfschul-Aula. Zu den Klängen des «Cavalleria»-Intermezzos küsst er sie zum ersten Mal: So verknüpft Michieletto die beiden Kurzopern. Und im «Pagliacci»-Zwischenspiel wiederum begegnen wir noch einmal Santuzza, die schluchzend ihrem Priester beichtet und nun ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Februar 2016
Rubrik: Panorama, Seite 40
von Wiebke Roloff

Weitere Beiträge
Der Außenseiter im Zentrum

Mit dem Schlagwort «Jahrhundertfigur» sollte man behutsam umgehen. Trotzdem fällt es schwer, bei Pierre Boulez nicht der Assoziation zu verfallen, hat er doch seit den 40er-Jahren vielfältig die Musikkultur beeinflusst, vorangetrieben, Ideal und Wirklichkeit auch politisch in Bewegung versetzt. Doch zur Galionsfigur taugt er nicht, hat dies sogar einmal...

Lange vor der Zeit

Hatte sie schon etwas geahnt? Die Gegenwart des Todes gespürt? Als Stella Doufexis im Mai 2011 Hector Berlioz’ sonnenbronzene Orchesterlieder «Les nuits d’été» aufnahm, stand sie mitten im Leben. Doch aus dem ranken Körper strömten Töne von so tief empfundener, herbsüßer Melancholie, dass einem beim Wiederhören Tränen in die Augen schießen. Jetzt, nachdem sie gehen...

Rieselnde Zeit

Die schwebende Kantilene des Vorspiels, mit der Verdi Liebe und Tod der Violetta auf den Plan ruft, lässt Daniel Barenboim von den vierfach geteilten Streichern fein schattiert auftragen. Und er fügt den Phrasen eine Emphase des Seelischen hinzu: So nachdrücklich im An- und Abschwellen der Töne hört man das Preludio selten. Auf der Bühne begibt sich währenddessen...